Der Untergang der dörflichen Welt

In den letzten sechzig Jahren hat sich die Welt in den Dörfern des Westerwaldes völlig verändert. Was alles anders geworden ist? Alles! Diesem Wandel ist die neue Ausgabe der Lasterbacher Hefte gewidmet. Unter der Überschrift „Der Untergang der dörflichen Welt“ beschreibt Autor Wolfgang Gerz (Oberrod) in einem

Essay diese radikalen Veränderungen im dörflichen Leben der letzten Jahrzehnte. Zwar hat Gerz den Westerwald als seine Heimat in den Fokus der Betrachtung gerückt, doch sind die aufgezeigten Tendenzen auf Gesamt-Deutschland und sogar auf weite Teile Mitteleuropas übertragbar. Das neue Heft ist ab sofort im Buchhandel erhältlich.

Die Dorfgaststätten sind (fast) völlig ausgestorben, die kleinen Lebensmittelgeschäfte sind verschwunden, dörfliches Handwerk wird nicht mehr benötigt und die Nebenerwerbslandwirtschaft gehört der Vergangenheit an. In Dörfern, die früher fast ausschließlich von der Landwirtschaft lebten, steht heute kaum noch eine Kuh auf der Weide. Jeder Ort hatte bis nach 1960 seine eigene Schule. In vielen Dörfern wurden zu dieser Zeit sogar noch Schulneubauten errichtet. Selbst kleinere Gemeinden hatten ihren eigenen Pfarrer; Kirche und Glauben standen noch hoch im Kurs. Das Dorf hatte Metzger, Bäcker und einen Dorfhirten. Das Vereinsleben boomte: Egal ob Gesangverein oder Sportclub.

Es ist vieles verloren gegangen in der dörflichen Welt. Doch die Entwicklung der letzten Jahrzehnte deshalb ausschließlich negativ zu sehen, führt an den tatsächlichen Gegebenheiten  vorbei. Die Armut ist aus den Dörfern gewichen und hat einem breiten Wohlstand Bahn gebrochen. Die soziale und medizinische Versorgung haben große Fortschritte gemacht. Die Dörfer, die früher in sich ruhten und sich selbst genug waren, haben sich geöffnet. Man ist mobiler geworden und hat die weite Welt entdeckt. Wolfgang Gerz sieht viele Tendenzen aus unterschiedlichem Blickwinkel und stellt Fragen. Warum kann man beispielsweise nicht gut Englisch sprechen und gleichzeitig den heimischen Dialekt pflegen?

In seinem Essay bedauert er die schleichend aufkommende Anonymität in den Orten und die Vereinsamung der älteren Generation. Der Zusammenhalt der früher bäuerlichen Strukturen ist weitgehend zusammengebrochen. Man braucht sich nicht mehr zwingend – und jeder geht seiner Wege. Statt gemeinsamer Gespräche wird Fernsehen geschaut. Das Miteinander hat gelitten, dörfliche Originale haben keine Chance mehr. Einst lebendige Dörfer verkommen zu Schlafstätten. Das neue Lasterbacher Heft ist aber auch ein Aufruf dieser Entwicklung entgegenzuwirken; zu retten, was noch zu retten ist.

Wolfgang Gerz: Der Untergang der dörflichen Welt; Ausgabe 19 der Lasterbacher Hefte. SCHRIFT:gut Literatur, Hauptstraße 20, 56479 Westernohe, ISBN: 978-3-946133-07-0, 40 Seiten, Broschur, erhältlich im Buchhandel oder unter 02664/9919248 und Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!, Verkaufspreis: 8,00 Euro