thumb WillmenrPuppenk01112011Lucie Jung hat noch immer Spaß an ihrer fast 100 Jahre alten Puppenküche

Über eine schöne Kindheitserinnerung zum Anschauen und Anfassen freut sich Lucie Jung aus Willmenrod: in ihrem Besitz befindet sich eine fast 100 Jahre alte Puppenküche.

Spielsachen stehen ganz oben auf den Wunschzetteln des Nachwuchses. So war es auch schon, als Lucie Jung noch ein kleines Mädchen war. Gerne denkt die heute 85-Jährige an die Zeit zurück, als sie zusammen mit ihrer Cousine Helga Meurer in ihrer Puppenküche leckere Mahlzeiten zubereitete.

WillmenrPuppenk04112011WillmenrPuppenk02112011Mit den Gesprächen rund um die Vorbereitungen auf die 800-Jahr-Feier von Willmenrod kam Lucie Jung der Gedanke, ihre alte Puppenküche am großen Festtag der Öffentlichkeit in einer Ausstellung zum Thema „anno dazumal“ zu präsentieren. „Danach würde ich alles gerne in gute Hände geben“, so der Wunsch der 85-Jährigen. Ob und in welches Museum die Sachen kommen, werde sich zeigen.

Dieser Tage holte ihr Sohn Frank das alte „Schätzchen“ vom Dachboden. Um Jahrzehnte zurück versetzt, räumte die gebürtige Willmenroderin die Einrichtungsgegenstände an ihren gewohnten Platz. Noch immer ist sie fasziniert von den vielen kleinen Küchenutensilien, die sie wieder in den Schränken und Schubladen verstaute. „Was hatten wir für einen Spaß“, erinnert sich die rüstige Rentnerin an die Nachmittage, als Kochen und Backen auf dem Programm standen. Bis auf die (Holz-) Stube ist alles immer noch in einem tadellosen Zustand. Das liegt nicht zuletzt daran, dass seit Lucie und ihrer bereits verstorbenen Schwester Liesel sowie deren Tochter niemand mehr damit gespielt hat. Für ihre beiden Söhne war der „Weiberkram“ tabu. „Die Kinder hatten ganz andere Interessen“, so die rüstige Rentnerin.

Wunderschöne historische Spielsachen 

WillmenrPuppenk03112011WillmenrPuppenk01112011Stolz nimmt Lucie Jung den alten Küchenherd in die Hand. „Er kann mit Spiritus geheizt werden“, weißt die zweifache Großmutter auf die besondere Funktion hin. Neben einer Petroleum-Lampe gibt es auch eine von Batterie betriebene Leuchte. Für die damaligen Verhältnisse war die Puppenküche modern ausgestattet und schon einiges wert. „Ich kann weder sagen, in welchem Jahr wir die Spielsachen bekamen, noch von wem“, so Jung, die das Alter auf rund 100 Jahre schätzt. Ihr Vater Ewald habe sich das nicht leisten können, schließlich hatte der selbständige Bäcker damals neu gebaut. Aus seiner Backstube holten sie sich auch den Teig, den sie dann zu Kuchen oder Waffeln verarbeiteten. Beim genaueren Hinschauen fallen die vielen kleinen Küchenutensilien auf. Dazu gehören Brotkasten, Küchenwaage, Gewürzbord, sowie Fleisch- und Kaffeemühle. Überdies gibt es Schneebesen, Muskatreibe und allerlei Besteck. Keine Spur von Kunststoff! Alles wurde - gemäß den Originalen - in Holz, Porzellan, Glas und Metall - gefertigt. Materialien die Generationen überstehen und eine Einrichtung, die (nicht nur) Kinderaugen leuchten lässt.

GershasenBackes01122011Während ihres „Ausflugs“ in die Vergangenheit kommt Lucie Jung auch auf den alten Backofen ihre Vaters zu sprechen, der heute in der ersten Etage des Backes- Heimat- und Ofenbauermuseum im Westerburger Stadtteil Gershasen ausgestellt ist. „Ursprünglich sollte unser Backofen nach Bad Sobernheim ins Museum“, erinnert sich die 85-Jährige. Der Museumsleiter sei auch des öfteren in Willmenrod gewesen, um sich den Backofen anzusehen und zu verhandeln. Da man selbst die Kosten für den Transport übernehmen sollte, sei das Vorhaben allerdings gescheitert. „Die Gershasener Steine sind die besten!“ Diese Meinung vertrat wohl auch einer Kunststudentin, die sogar in den Backofen hinein krabbelte, berichtet Lucie Jung.