Neujahrsempfang im Buchfindenland beleuchtete gesellschaftliche Lasten

Fast den gesamten christlichen Glauben beinhaltet das Bibelwort „Einer trage des anderen Last“. Enthält es doch die Aufforderung für den Nächsten da zu sein. Aber was bedeutet uns dies in unserer modernen Gesellschaft, in der auch im Westerwald zu viele sich selbst

der Nächste sind, der Egoismus zum Normalfall geworden ist. Antworten darauf wurden beim traditionellen Neujahrsempfang im Seniorenzentrum Ignatius-Lötschert-Haus in Horbach gesucht. Doch es wurde auch gefeiert.

Die Mitwirkenden des Neujahrsempfanges zum Thema „Einer trage des anderen Last“ freuten sich über einem gelungenen Start ins neue Jahr im Seniorenzentrum im Buchfinkenland. (Fotos: privat)

Nachdem die   Trägerschaft der Einrichtung im vergangenen Jahr von den Barmherzigen Brüdern zu Montabaur auf die Dernbacher Katharina Kasper Gruppe übergegangen war, begrüßte Heimleiter Franz Schmitz die vielen Gäste im festlichen Gesellschaftsraum. „Wir sind hier angekommen und wollen das Haus zukunftsfest machen“, so Schmitz. Die Schaffung eines Tagespflegebereiches sei ein sichtbarer Anfang.

Als Vorsitzender des Fördervereins und Moderator des Abends begrüßte Uli Schmidt die Teilnehmenden in „verwirrenden Zeiten“. Der mitgliederstarke Verein wolle weiterhin zur Teilhabe von alten Menschen in und außerhalb der Pflegeeinrichtung beitragen. Er warnte davor, die Erwartungen an den neuen Träger zu hoch zu schrauben. Vielmehr sei das Haus am Anfang eines Prozesses, an dessen Ende eine weitere spürbare Verbesserung der Pflegequalität stehen solle.

Erika Leisenheimer berichtete, wie ein Verein die Lasten für Menschen mit Behinderungen verringert

Für Begeisterung sorgte das Folkduo „Orange Moon“ mit Geige, Gitarre und teilweise Gesang. Dies zunächst mit Irischen Tänzen und am Ende als Zugabe mit dem als Rockklassiker bekannten Lied „Whiskey in the jar“, das aber eigentlich auf ein irisches Volkslied zurückgeht. Mit ihrem Lied „Was uns verbindet“ schaffte das Duo musikalisch den Übergang zum Thema des Abends: Einer trage des anderen Last.   

Ausführlich leitete der Moderator dann in die Bedeutung dieses Bibelwortes ein. Bei großen Lasten durch Krankheit, Geldsorgen oder Streitigkeiten sei es oft schon hilfreich einfach zuzuhören, darüber zu reden und so neuen Mut zu geben. „Doch wenn Menschen ihr Päckchen nicht mehr allein tragen können, ist es oft möglich, auch praktisch anzupacken“, so Schmidt. Als Beispiele für Hilfe beim Tragen von Lasten nannte er die ehrenamtlichen Helfer und Helferinnen im Altenheim und in der Nachbarschaftshilfe Buchfinkenland.

Min einem ersten Kurzstatement erläuterte Erika Leisenheimer als stellv. Vorsitzende von „Gemeinsam ist es möglich e.V.“ wie die Mitglieder des Vereins dazu beitragen, die Last für Menschen mit einer Behinderung in unserer Region zu verringern. „Wir tragen durch verschiedene Maßnahmen dazu bei, dass die von uns Betreuten selbständiger werden und teilweise in Wohnformen außerhalb eines Wohnheimes leben können“.  Sie wies darauf hin, dass es dem Verein an jüngeren Aktiven fehle um die Last der Betreuungsarbeit dauerhaft auf mehr und belastbarere Schultern verteilen zu können.

Auch bei einem Aufenthalt im Krankenhaus sind von den Patienten oft schwere Lasten zu tragen. Da ist das ehrenamtliche Wirken der „Grünen Damen“ sehr hilfreich. Über das segensreiche Wirken von 20 dieser „Grünen Engel“ im Krankenhaus Dernbach berichtete dessen Pflegedirektorin Astrid Eisenberg.  „Sie müssen oft Krisen auffangen und begleiten die Patienten zur Untersuchung, halten die Hand oder hören einfach zu“. Dies sei oft belastend und setze fachliche Schulung und Zuverlässigkeit voraus.

Das Küchenteam um Manuela Justi und Werner Reuter hatte wieder ein ebenso ansehnliches wie schmackhaftes Büfett vorbereitet, dem niemand der Gäste widerstehen konnte. Der Vorsitzende des Fördervereins für das Ignatius-Lötschert-Haus lud alle Anwesenden dazu ein, Mitglied in dem Verein zu werden, damit noch mehr für die alten Menschen getan werden kann. Eine Verteilaktion von 4.000 neu gedruckten Flyern in alle Haushalte der Kleinregion soll mit dazu beitragen. Möglichst schon bis zur Mitgliederversammlung am 17.2. soll dadurch die Grenze von 200 Fördermitgliedern erstmals überschritten werden.