Aus einem maroden Fachwerkhaus am Hinteren Rebstock ein modernes Wohnhaus gemacht

„Wir machen es so, als wollten wir selbst einziehen“. Diesen Leitspruch haben sich die Brüder Alexander, Arthur und Eduard Frei gesetzt, als sie ein baufälliges Haus in der Montabaurer Altstadt kauften und von Grund auf sanierten. Mit sehr viel Eigenleistung und Engagement haben sie binnen sechs Monaten aus dem

maroden Fachwerkhaus am Hinteren Rebstock ein modernes Wohnhaus gemacht. Seit August ist das Haus an eine junge Familie vermietet. Im Rahmen der Stadtsanierung und des Programms „Aktive Stadtzentren“ fördert die Stadt Montabaur auch Arbeitsstunden, wenn Hauseigentümer bei der Modernisierung selbst Hand anlegen und einzelne Gewerke in Eigenleistung ausführen.


Stolz zeigen die Brüder (v.r.) Arthur, Eduard und Alexander Frei dem Ersten Stadtbeigeordneten Gerd Frink ihr frisch saniertes Haus in der Altstadt. (Bild: VG Montabaur)


„Uns hat die Lage überzeugt. In die eine Richtung der ICE-Bahnhof, die Autobahn und das FOC; in die andere Richtung die Innenstadt. Und trotzdem ist es eine relativ ruhige Wohnstraße. Außerdem bietet sich hinten raus ein grandioser Weitblick auf den Westerwald“, so beschreibt Arthur Frei, warum sie sich gerade für dieses Haus entschieden haben. Die drei Brüder wohnen in Bad Ems und Neuwied. Sie haben zur Kapital-Anlage schon mehrere heruntergekommene Häuser gekauft und mit viel Eigenleistung renoviert. Der Immobilienmarkt in Montabaur sei lukrativ, Montabaur eine Stadt im Aufwind und außerdem sei die Förderung und Unterstützung seitens der Stadt im Rahmen der Stadtsanierung „richtig gut“, wie die Brüder betonen. Das kleine Haus am Hinteren Rebstock haben sie bei einer Zwangsversteigerung günstig erworben, allerdings ohne es vorher betreten zu haben. „Wir hatten nur ein paar Fotos, aber die ließen das Potential erkennen“, sagte Eduard Frei, der selbst viele Jahre als Handwerker auf dem Bau gearbeitet hat und insofern der Vorarbeiter auf der familieneigenen Baustelle war.

 

Früher war hier ein schmales Bad. Heute sind die engen Trennwände verschwunden, ein großzügiger Raum ist entstanden, in dem das alte Fachwerk Blickfang und luftiger Raumteiler zugleich ist. (Bild links: privat, Bild rechts: Olaf Nitz)

Trotz all der guten Voraussetzungen waren die sechs Monate der Sanierung eine harte Zeit für die Brüder. Beim ersten Rundgang mussten sie feststellen, dass der Boden im Erdgeschoss teilweise durchgefault war und an vielen Stellen der Putz abbröckelte. Außerdem war das Haus noch vollständig möbliert und musste entrümpelt werden. Hinter dem Haus befand sich ein halb zerfallener Schuppen, den die Brüder - zur großen Freude der Nachbarn - abgerissen und stattdessen eine 30 Quadratmeter Terrasse angelegt haben. Innen haben sie einzelne Trennwände ausgebaut und stellenweise das alte Fachwerk freigelegt. „Insgesamt haben wir mehr als 30 Tonnen Schutt, Abfall und Sperrmüll hier herausgetragen, ehe wir überhaupt mit der Sanierung beginnen konnten“, erinnert sich Alexander Frei mit einem Kopfschütteln. Anschließend haben sie die Wände mit atmungsaktiven Lehm- oder Kalkputz neu verputzt, Decken saniert, neue Bodenbeläge verlegt, neue Fenster und Haustür eingesetzt, das Dach gedämmt, die alte Holztreppe und das innenliegende Fachwerk restauriert, ein modernes Bad eingebaut und die Fassaden frisch gestrichen.

 

Ein alter Schuppen bedeckte fast vollständig den rückwärtigen Teil des Hauses. Er nahm dem Wohnbereich und auch den Nachbarhäusern viel Licht und versperrte außerdem die Aussicht. Heute ist die neue Terrasse das große Plus des kleinen Hauses. (Bild links: privat, Bild rechts: Olaf Nitz)

Durch die Öffnung der Wände sind große helle Räume entstanden, insgesamt 100 Quadratmeter Wohnfläche, plus Kriechkeller und Terrasse. „Elektrik, Wasser und Heizung haben wir von Fachfirmen machen lassen. Da haben wir wenig Ahnung und lassen deshalb die Finger davon“, gibt „Baumeister“ Eduard Frei zu. Während der Bauphase waren die Brüder praktisch jeden Tag vor Ort, haben bis zu vier Wochen Urlaub in das Objekt gesteckt. „Es war hart, aber es hat sich gelohnt“, so ihr Fazit. Angespornt hat sie auch, dass sie immer wieder Besucher auf der Baustelle hatten, die sich im Vorbeigehen das Haus angesehen und den Fortgang der Arbeiten gelobt haben. „Wir hätten das Haus sicher schon zehnmal vermieten können, so viele Anfragen hatten wir in dieser Zeit“, berichtet Arthur Frei, der in dem Dreier-Team für Finanzen, Organisation und den Kontakt zur Stadt zuständig war. Etwa 30.000 Euro an Materialkosten und Handwerkerrechnungen haben die Brüder investiert, zusätzlich haben sie mehr als 2.000 Arbeitsstunden in das Projekt eingebracht. „Wir haben gesehen, dass die Arbeiten fachgerecht und hochwertig ausgeführt wurden und den Sanierungsrichtlinien entsprechen. So konnten wir die erbrachte Eigenleistung fast vollständig in die förderfähigen Gesamtkosten einrechnen und schließlich eine Fördersumme von knapp 14.000 Euro bewilligen“, fasst Stefan Baumgarten zusammen. Er ist bei der Verbandsgemeindeverwaltung Projektleiter für die Stadtsanierung und lobt das Engagement der Brüder als vorbildlich. „Wir standen immer im engen Kontakt und haben jeden Schritt miteinander abgestimmt. Das Ergebnis kann sich echt sehen lassen.“ Auch der Erste Stadtbeigeordnete Gerd Frink zeigte sich beeindruckt von dem Trio: „Solche Leute brauchen wir. Stadtsanierung braucht Ideen, Engagement und Ausdauer. All das haben Sie mitgebracht.“


Eigenleistung einbringen und anrechnen

Im Rahmen des Programms „Aktive Stadtzentren“ fördert die Stadt Montabaur im Sanierungsgebiet auch private Modernisierungsprojekte. In der Regel liegt der Fördersatz bei 30% der anrechnungsfähigen Kosten.

Bei den anrechnungsfähigen Kosten können Hauseigentümer auch solche Arbeitsstunden einbringen, die sie in Eigenleistung erbracht haben. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass die Arbeiten fachgerecht ausgeführt werden und die exakten Zeiten auf einem Stundenzettel notiert werden. Beides kontrolliert das Team Stadtsanierung von der Verbandsgemeindeverwaltung. Dann können die Arbeitsstunden mit 10,- Euro pro Stunde in der Kostenrechnung aufgeführt werden, dürfen aber nicht mehr als 30% der gesamten anrechnungsfähigen Kosten ausmachen.