Theaterprojekt der „Bergbühne“ des Kulturfördervereins der Verbandsgemeinde Wallmerod

Ein außergewöhnliches Theaterprojekt bekamen die Zuschauer in Hahn am See zu sehen. Mit „Ab in den Container“ hatte die „Bergbühne“ des Kulturfördervereins der Verbandsgemeinde Wallmerod ein Stück ausgewählt, was sowohl die Zuschauer als auch die Protagonisten auf der Bühne

mehr als befriedigte. Denn das Ensemble war um zehn Flüchtlinge erweitert, die seit geraumer Zeit in der Verbandsgemeinde Wallmerod wohnen.

Schwester Colette (Juliane Schramm), Felicitas (Melissa Löffler), Chantal (Sarah Gläßer), Charly Merk (Fabian Zahn), Anton Ripplinger (Volker Schäfer) und Otto von Treyspitz (Nic Heuser) fanden sich am Ende alle im Container wieder.

Außergewöhnlich aber auch, weil es sich bei dem Stück von Jutta Golitsch nicht nur um ein Lustspiel, sondern auch um ein sozialkritisches Theaterstück handelt. Die Szenerie spielt im Hinterhof eines Supermarktes. Hier steht ein Container, der regelmäßig von Anton Ripplinger (Volker Schäfer) entsorgt wird, der die ganzen Abfälle an seine Schweine verfüttert. Marktleiter Mehlbichler (hervorragend umgesetzt von Thomas Zahn) fällt schon seit längerem auf, dass „die Ware“ in dem Container Beine bekommt. So nennt man auch den Diebstahl aus den Abfallbehältern im Fachjargon „containern“. Neben den Punks, Chantal (Sarah Gläßer) und Felicitas (Melissa Löffler), dem Ex-Knacki Carly Merk (Fabian Zahn), der Nonne, Schwester Colette (Juliane Schramm) und Frau Hämmerle (Lydia Zahn) bedient sich auch noch der verarmte Adlige Otto von Treyspitz (Nic Heuser) an besagten Container.

Nachrichtensprecher Yasan Shikh Al Basatnew erläutert auf arabisch das Geschehen auf der Bühne

Sie alle sind bedacht nicht erwischt zu werden, was natürlich nur bedingt gelingt. Das bringt die Polizei auf den Plan, doch die Polizistin Bergmann (Beatrix Dehio) himmelt lieber den Marktleiter an, anstatt sich um ihre Polizeiarbeit zu kümmern. Normalerweise hat auch Hausmeister Weinert (Heinrich Meissner) alles im Griff, aber auch ihn hat Amor mit dem Pfeil erwischt und so gilt sein Interesse mehr der Kassiererin Ingrid (Jana Heuser), und seinen selbstverfassten Gedichten mit der er sie umwirbt, als den Geschehnissen auf dem Hinterhof. Da stören ihn auch nicht die Einwände der nervenden Nachbarin (Pia Heuser), für die der Supermarkt schon lange ein Dorn im Auge ist. Bei all den Turbulenzen um die Diebstähle spielt der Liebesreigen auch seine Rolle und wie sollte es anders sein, am Ende stehen zwei glückliche Paare auf der Bühne. Bei aller Komik werden aber auch sozialkritische Töne laut. Kann man die abgelaufene, aber noch gute Ware, nicht den Straßenkindern zu Gute führen, wie Schwester Colette es will? Was ist wenn die Ware, da nicht mehr frisch, zu gesundheitlichen Problemen führt?

Ende gut alles gut! Marktleiter und Polizistin (Thomas Zahn und Beatrix Dehio) sowie Hausmeister und Kassiererin (Heinrich Meissner und Jana Heuser) fanden am Ende zusammen.
   
Unter der Regie von Bärbel Vienna-Garn bringen alle Akteure Bestleistungen auf die Bühne. Besonders ist hier zu nennen der erst vierzehnjährige Fabian Zahn, dem die Rolle des Carly Merk wie auf den Leib geschnitten ist. Aber auch Nic Heuser spielt die Rolle des verarmten preußischen Adeligen perfekt. Vom jüngsten bis zum ältesten (74 Jahre) Ensemblemitglied sind die Rollen bestens besetzt. Das Vienna-Garn auch die Flüchtlinge mit eingebunden hat, ist ihr besonderer Verdienst. Dazu hat sie extra das Stück umgeschrieben und einzelne Passagen mit Kommentaren von Nachrichtensendungen versehen. Diese wurden zunächst in deutscher Sprache von Sarah Gläßer gesprochen und dann in arabischer Sprache von Yazan Shikh Al Basatnew.

Gelebte Integration: Das Ensemble der „Bergbühne“ mit den Flüchtlingen beim Schlussapplaus vereint.

Die Asylbewerber hatten sichtlich Freude an ihrem Spiel und genossen den Schlussapplaus umso mehr. Den hatten sich alle  Schauspieler redlich verdient. So war auch der Vorsitzende des Kulturfördervereins, Klaus Lütkefedder, voll des Lobes für die schauspielerischen Leistungen aller Akteure den das Publikum mit einem langanhaltenden Applaus unterstrich.