Unselt: Ehemalige militärische Übungsplätze als Rückzugsräume für die Natur dauerhaft sichern

Drei große ehemalige militärische Übungsplätze in Rheinland-Pfalz werden als Nationales Naturerbe erhalten. 235 Hektar auf der Schmidtenhöhe bei Koblenz, 153 Hektar bei Westerburg sowie 138 Hektar bei Saarburg werden künftig in der Obhut der NABU-Stiftung liegen. Die Übertragung an die NABU-Stiftung

Nationales Naturerbe wird heute mit der feierlichen Unterzeichnung einer Vereinbarung durch Ministerialdirektorin Dr. Elsa Nickel vom Bundesumweltministerium, Staatsministerin Ulrike Höfken, Vorstandsmitglied der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) Paul Johannes Fietz und dem Vorsitzenden der NABU-Stiftung Christian Unselt ermöglicht. „Wir freuen uns sehr über die ersten Stiftungsflächen in Rheinland-Pfalz und werden diese ökologisch wertvollen Gebiete als Rückzugsräume für die Natur dauerhaft sichern“, so Stiftungsvorsitzender Christian Unselt.

Viele ehemalige Militärgebiete gelten heute als wertvolle Naturrefugien im dicht besiedelten Deutschland, weil sie kaum von Straßen zerschnitten werden und oftmals große Flächen umfassen. Zudem wurden sie über Jahrzehnte nicht intensiv landwirtschaftlich genutzt und mit Dünger oder Pestiziden belastet. So entwickelte sich auch der ehemals von der Bundeswehr genutzte Panzerübungsplatz „Schmidtenhöhe“ bei Koblenz zu einem einzigartigen Naturparadies für viele seltene Arten wie Wendehals, Gelbbauchunke oder Übersehenes Knabenkraut, einer stark gefährdeten Orchideenart. Auch die streng geschützte Wildkatze zieht regelmäßig und ungestört durch das einstige Militärgebiet.

v.l. Dr. Elsa Nickel, Stattsministerin Ulrike Höfken, Paul Johannes Fietz und Christian Unselt

Bereits seit 2009 engagiert sich der NABU Rheinland-Pfalz auf der BImA-Fläche mit einem Beweidungsprojekt für die Offenhaltung der Landschaft auf der Schmidtenhöhe. Als neuer Eigentümer wird die NABU-Stiftung das Beweidungsprojekt weiter ausweiten sowie mit einer Schafbeweidung ergänzen, um die Artenvielfalt der mageren Wiesen zu erhalten. Die naturnahen Laubmischwälder wird die NABU-Stiftung der ungestörten Entwicklung überlassen. „Für die Öffentlichkeit wird die Schmidtenhöhe weiterhin über einen Rundwanderweg als Naherholungsgebiet zugänglich bleiben“, versichert Stiftungsvorsitzender Christian Unselt.



Ministerialdirektorin Dr. Elsa Nickel (Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit): „Das Nationale Naturerbe ist eine einzigartige Erfolgsgeschichte des Naturschutzes in Deutschland. Über bald zehn Jahre hinweg ist es uns gelungen, rund 156.000 Hektar bundeseigener Fläche aus der Privatisierung zu nehmen und dauerhaft dem Naturschutz zu widmen. Gerade die aufgegebenen Militärflächen konnten wir auf diese Weise für den Naturschutz sichern.“

Die rheinland-pfälzische Umweltministerin Ulrike Höfken begrüßte die Übertragung der ehemaligen Truppenübungsplätze und Nationalen Naturerbeflächen an die NABU-Stiftung. „Durch die militärische Nutzung sind wertvolle Lebensräumen seltener Tier- und Pflanzenarten entstanden. Gemeinsam können wir diese Naturschätze langfristig sichern und im Sinne der Biodiversitätsziele des Landes entwickeln. Der NABU hat sich dabei schon bisher als verlässlicher und kompetenter Partner erwiesen, zum Beispiel in der halboffenen Weidelandschaft Schmidtenhöhe. Hier sorgen Taurusrinder und Konikpferde im größten Beweidungsprojekt in Rheinland-Pfalz dafür, die Landschaft offen und insbesondere für eine artenreiche Vogel- und Amphibienfauna zu erhalten. Wir werden die Arbeit des NABU weiterhin unterstützen“, erklärte Höfken und bedankte sich für die gute Zusammenarbeit.

„Es freut mich, dass wir heute weitere Naturerbeflächen offiziell an die NABU-Stiftung Nationales Naturerbe übergeben können. Die BImA wird mit ihrem Geschäftsbereich Bundesforst dadurch auf noch mehr Flächen als bisher naturschutzfachlich für die NABU-Stiftung tätig sein“, sagte BImA-Vorstandsmitglied Paul Johannes Fietz. „Mit Abschluss der dritten Tranche ist die BImA insgesamt auf rund 90.000 Hektar Dienstleisterin und Partnerin für die neuen Flächeneigentümer im Nationalen Naturerbe.“

Hintergrund Nationales Naturerbe
Das „Nationale Naturerbe“ sind rund 156.000 Hektar wertvolle Naturflächen im Bundeseigentum, die der Bund unentgeltlich an Länder und Naturschutzorganisationen überträgt. Hierzu zählen ehemals militärisch genutzte Gebiete, das „Grüne Band“ entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze, Flächen aus dem DDR-Volksvermögen sowie stillgelegte Braunkohletagebaue in Ostdeutschland. Für einen Teil der ehemaligen Militärflächen, die sogenannte Bundeslösung (rund 33.000 Hektar), übernimmt der Bund selbst die Pflege und Entwicklung der Flächen.