Genitalverstümmelung ist eine Menschenrechtsverletzung

Anlässlich des Gedenktages „Nein zu Gewalt an Frauen“ fanden in Limburg verschiedene Veranstaltungen unter dem Motto „Gewalt an Frauen hat viele Gesichter!“ statt. Der diesjährigen bundesweiten Kampagne von Terres des femmes, „Mädchen schützen! Weibliche Genitalverstümmelung gemeinsam

überwinden“ schlossen sich  Akteurinnen im Landkreis, unterstützt von den Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten der Stadt Limburg und des Landkreises, an, worüber auch Landrat Manfred Michel sehr erfreut war,

In einem ökumenischen Gottesdienst thematisierten die Akteurinnen die verschiedenen Arten der Fremd- und Selbstverstümmelung von Mädchen. Unter anderem ging es um Methoden der sexuellen Unterdrückung und falsch verstandene Schönheitsideale.

Die Mitgliederinnen des Aktionsbündnisses während des Gedenktages (von links): Sandra Völpel (Profamilia), Claudia Horst (Donum vitae), Birgit Köberle (Katholische Frauen Deutschlands), Ute Jungmann-Hauff (Kreisfrauenbüro), Heike Bausch (Gegen unseren Willen), Negat Hassen (Sprach- und Integrationsmittlerin beim Landkreis) und Verena Müller (Frauenhaus Limburg).

„Weibliche Genitalverstümmelung bezeichnet eine schwere Menschenrechtsverletzung“, so die Kreisfrauenbeauftragte Ute Jungmann-Hauff. Bei weiblicher Genitalverstümmelung werden Teile des weiblichen Genitals abgeschnitten oder verletzt. Seit über 2000 Jahren wird diese Verstümmelung an Menschen praktiziert. Es gibt keinen religiösen Hintergrund für die Genitalverstümmelung.

Weltweit sind laut UNICEF über 200 Millionen Frauen betroffen. Tatsächlich dürften es doppelt so viele sein, denn bisher gibt es nur für den Subsahara-Raum, Ägypten und Irak umfassende Studien. Die meisten Frauen mit FGM (Female Genital Mutilation)  leben in 29 afrikanischen Staaten, am häufigsten in Somalia, Sudan, Eritrea, Sierra Leone, aber auch in arabischen und südostasiatischen Ländern.

In Deutschland sind mehr als 58.000 Mädchen und Frauen betroffen und mindestens 13.000 Mädchen gefährdet. Zum Anlass der Woche „Nein zu Gewalt an Frauen“ hatte das  Netzwerk der beteiligten Institutionen in der Profamilia-Beratungsstelle einen Vortrag zur Thematik weibliche Genitalverstümmlung und eine anschließende Diskussionsrunde angeboten. Die Frauenbeauftragte des Landkreises Limburg-Weilburg, Ute Jungmann-Hauff, begrüßte zusammen mit Sandra Völpel von der Beratungsstelle Katharina Rohmert, Ärztin der Profamilia Darmstadt, die das Thema aus vier verschiedenen Blickrichtungen beleuchtete. Es wurde über die rechtlichen, die ärztlichen, die therapeutischen sowie die kulturellen Aspekte berichtet.

Die kulturellen Aspekte sind vielschichtig. Zum einen ist es ein Teil der kulturellen Tradition, also ein Initiationsritual und Aufnahme in die Gemeinschaft, zum anderen ein Symbol  der Weiblichkeit und ethnischen Zugehörigkeit. Soziokulturelle Gründe sind von besonderer Bedeutung als Sicherstellen der ökonomischen Überlebensfähigkeit, FGM ist eng mit Heiratsfähigkeit verknüpft. Nicht zu unterschätzen sind auch der soziale Status der Beschneiderin sowie die gute Einnahmequelle.

Seit September 2013 wird die weibliche Genitalverstümmelung mit Paragraf 226a STGB zur schweren Körperverletzung erklärt und mit Freiheitsstrafen nicht unter einem Jahr bestraft. Betroffene Frauen können sich an die Beratungsstelle der Profamilia in Limburg wenden.
Weitere Informationen: http://www.landkreis-limburg-weilburg.de/wissenswertes/frauenbuero/veranstaltungen.html