Gemeinsam stark für leichte Texte

Sichtlich stolz waren die neuen Prüfleserinnen und Prüfleser die kürzlich ihre Urkunden überreicht bekamen. Darauf steht schwarz auf weiß, dass sie die Schulung, durchgeführt vom Kompetenz Zentrum Leichte Sprache in Westerburg, erfolgreich absolviert haben. Auch Christa Draaf, Leitung Begleitende Dienste

und Tagesförderstätten der Lebenshilfe Limburg-Diez freute sich mit den Prüflesern über die abgeschlossene Schulung und das was daraus entstanden ist: eine Prüfleser-Gruppe in Limburg. Seit Sommer diesen Jahres treffen sich die fünf Werkstatt-Angestellten Leska Hartung, Renate Hertling, Christian Klapper, Michael Schäning und Yasin Sahiner der Lebenshilfe Limburg-Diez einmal wöchentlich mit Nadja Quirein oder Katrin Weiland vom Kompetenz Zentrum Leichte Sprache und prüfen Texte in Leichter Sprache.

Glückliche Gesichter bei der Übergabe der Urkunden durch Übersetzerin Nadja Quirein und Christa Draaf, Leitung Begleitende Dienste und Tagesförderstätten der Lebenshilfe Limburg-Diez (Mitte von links).

Doch bevor sie als Prüfleser tätig werden konnten, standen über mehrere Wochen Schulungstreffen auf dem Programm. Dabei lernten sie allerhand rund um die Prüftätigkeit. Ihr Ziel: Prüfleser werden. Das haben sie nun geschafft. Bei den Treffen ging es nicht nur darum u unterschiedliche Prüfmethoden kennenzulernen, sondern auch wie man in der Gruppe seine Meinung vertritt. „Es kann durchaus sein, dass ein Prüfer ein Wort schwierig und ein anderer leicht findet“, sagt Prüfleser Michael. „Dann wird eben diskutiert und gemeinsam eine Lösung gefunden“. Der Prüfgruppenbegleiter, meist ein Leichte-Sprache- Übersetzer, gibt Impulse, fragt nach und macht Vorschläge. Besonders wichtig allerdings sei eine gute Atmosphäre in der Gruppe und dass alle Spaß an der Tätigkeit haben, erklärt Übersetzerin Nadja Quirein vom Kompetenz Zentrum Leichte Sprache. „Ohne Prüfung keine Leichte Sprache“, weiß Prüferin Leska, die sich wie vier weitere Werkstatt- Angestellte und Bewohner der Lebenshilfe schulen ließ. Sie mag ihre Tätigkeit als Prüferin sehr, verrät sie. Schließlich sorgt sie damit für verständliche Texte. Schwere Texte mit vielen Fachworten oder komplexen Satzgebilden versteht nämlich nicht jeder. Dass die Texte leichter werden ist Aufgabe der Übersetzer und Prüfer für Leichte Sprache. Diese ist eine besondere Form beziehungsweise Varietät der deutschen Sprache, die sich nach besonderen Regeln richtet. Diese Regeln hat unter anderem das Netzwerk Leichte Sprache, ein Zusammenschluss aus Übersetzerinnen und Übersetzern, Prüfleserinnen und Prüflesern und Befürwortern der Leichten Sprache, erarbeitet. Gemeinsam ziehen sie alle an einem Strang und haben ein festes Ziel vor Augen: Mehr Texte in Leichter Sprache, damit möglichst viele Menschen die Texte verstehen können uns so selbstbestimmt am gesellschaftlichen Leben teilhaben können. Was ist Leichte Sprache? Leichte Sprache ist eine sehr leicht verständliche Sprache. Sie ist ein zusätzliches Angebot für Menschen, für die andere Texte zu schwierig sind. Die Leichte Sprache folgt einem festen Regelwerk und wird von Menschen aus der Zielgruppe geprüft. Zu den Regeln gehört auch das Vermeiden von Fremd-Wörtern, Verneinungen, Konjunktiven und Passivsätzen. Zudem wird pro Satz nur eine Information gegeben. Leichte Sprache richtet sich besonders an Menschen mit Lernschwierigkeiten, Menschen, die noch nicht gut Deutsch sprechen, ältere Menschen, Menschen mit eingeschränkter Lesekompetenz oder gehörlose Menschen. Aber auch viele andere Menschen freuen sich über leichtsprachliche Texte. Leichte Sprache soll Menschen mehr Selbständigkeit und Teilhabe ermöglichen. Leichte Sprache leistet einen wichtigen Beitrag zu einer inklusiven Gesellschaft im Sinne der UN-Behindertenrechtskonvention von 2009. Quelle: Kompetenz-Zentrum Leichte Sprache Westerburg.