Bischof war zu Gast bei der Caritas

Dr. Georg Bätzing besuchte im Rahmen seiner Visitation im Bezirk Westerwald zwei Einrichtungen des Caritasverbandes Westerwald-Rhein-Lahn

Bischof Dr. Georg Bätzing ist derzeit im katholischen Bezirk Westerwald unterwegs. Im Rahmen seiner bischöflichen Visitation besuchte das Oberhaupt des Bistums Limburg am Wochenende auch zwei Einrichtungen des Caritasverbandes Westerwald-Rhein-Lahn, informierte sich dort über interessante Projekte und kam mit den Mitarbeitenden sowie Bewohnerinnen und Bewohnern der jeweiligen Einrichtungen ins Gespräch.


Am Freitag war der Bischof zunächst in Arzbach zu Gast. Zusammen mit der Kirche Sankt Peter und Paul, der katholischen Kita St. Georg und dem Pfarrheim bildet das Caritas-Altenzentrum St. Josef einen „Mehrgenerationen-Campus“, vereint auf einem grünen Gartengelände mit herrlicher Aussicht in den Westerwald. Im Herbst vergangenen Jahres ist eine weitere Generation hinzugekommen: Die Pflege-Azubi-Wohngemeinschaft, die im Pfarrhaus von Arzbach beheimatet ist. Bischof Bätzing informierte sich genauestens über das gemeinsame Wohnprojekt von Kirchengemeinde und Caritas im „Alten Pfarrhaus Arzbach“. Zehn Auszubildende zur Pflegefachkraft aus dem Caritas-Altenzentrum wohnen hier gemeinsam in einer großen Wohngemeinschaft in unmittelbarer Nachbarschaft neben ihrer praktischen Ausbildungsstätte. Das Pfarrhaus ist im Eigentum der Kirchengemeinde; die Sanierung des Hauses und die Einrichtung der schönen zeitgemäßen WG hat der Caritasverband übernommen. Von der Ausbildungsvergütung bestreiten die Azubis eine kleine Untermiete. Die zehn Auszubildenden haben in ihrem Heimatland Marokko Deutsch gelernt und sich auf die Pflegeausbildung in Deutschland vorbereitet. Sie gehören zu den ersten, die auf Basis des Fachkräfteeinwanderungsgesetzes eine Ausbildung in Deutschland absolvieren dürfen.

 

Beim Besuch im Caritas-Altenzentrum in Arzbach informierte sich Bischof Georg Bätzing unter anderem über das Azubi-Projekt, bei dem junge Menschen aus Marokko zu Pflegefachkräften ausgebildet werden. Im Garten der Einrichtung kam der Bischof auch mit den Bewohnerinnen und Bewohnern ins Gespräch. - Fotos: Caritas

Nach seiner Ankunft in Arzbach ging der Bischof mit den Azubis ins Gespräch und ließ sich intensiv über ihre Erfahrungen berichten. Die jungen Auszubildenden bereiteten ihrem hohen Gast einen herzlichen Empfang und standen Rede und Antwort. Beeindruckt zeigte sich der Bischof von den Lebensgeschichten und Berichten der Auszubildenden, die mit ihm über Schule und Ausbildung, über Heimat und Fremde, über Familien und Freunde sprachen. „Ich bewundere Sie“, sagte Bischof Georg Bätzing zu den Auszubildenden, „dass Sie diesen schweren Weg der Ausbildung in einer fremden Sprache auf sich nehmen, um uns in der Begleitung älterer Menschen zu unterstützen. Wir brauchen Sie! Bei uns fehlen Pflegekräfte an allen Ecken und Kanten. Ich bewundere den Mut, hierher zu kommen und sich hier ein Leben in der Fremde aufzubauen.“

Pflegedienstleiterin Sabine Hertzke-Hoffmann und Caritasdirektorin Stefanie Krones schilderten, dass die jungen Azubis wegen ihrer Sozialisation in einer sehr familiär geprägten Gesellschaft einen natürlichen und empathischen Umgang mit den Bewohnerinnen und Bewohnern kennen und pflegen: „Bei den Seniorinnen und Senioren sind sie sehr beliebt!“ „Ostern lehrt uns“, so der Bischof, „Augen und Herzen zu öffnen und täglich einen Anlass zu finden, Halleluja zu rufen. Dieses Gemeinschaftsprojekt zu sehen, an dem so viele wunderbare Menschen teilhaben, ist mein heutiges Halleluja!“

 

 
Selfi mit dem Bischof: Im Haus am Quendelberg ließ es sich dieser Bewohner nicht nehmen, den Besuch des Limburger Bischofs als gemeinsames Erinnerungsfoto festzuhalten.

 
Am „Tag der Arbeit“ sprach Bischof Georg Bätzing (links) in Montabaur mit Mitarbeitenden im Haus am Quendelberg über deren Arbeit in einer Wohneinrichtung für Menschen mit Beeinträchtigung und die Herausforderungen, die sie gerade während der Corona-Pandemie zu meistern haben. Begrüßt wurde der Gast aus Limburg von Caritasdirektor Frank Keßler-Weiß (2. von links) und Andrea Berger (Mitte), Abteilungsleiterin Behindertenhilfe Bildung, Wohnen und Assistenz beim Caritasverband Westerwald-Rhein-Lahn.

Gemeinsam mit den Auszubildenden und Menschen aus dem Caritas-Altenzentrum genoss der Bischof die Gespräche bei der frühlingshaften Kaffeetafel auf der Terrasse des Altenheims. Dieser Besuch stand am Beginn der Ökumenischen Woche für das Leben, die im Jahr 2022 unter dem Thema „Leben mit Demenz“ steht. Bischof Bätzing als Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz und die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Präses Annette Kurschus, schrieben dazu: „Menschen mit Demenz haben einen Platz in unserer Mitte!“ Die Begegnungen zwischen dem Bischof und Menschen mit Demenz in ungezwungener Atmosphäre des Kaffeetrinkens war für die Seniorinnen und Senioren sowie für den Gast eine Bereicherung und eine schöne Erfahrung. Bischof Bätzing: „Wenn wir hier in großer Zahl alle zusammensitzen und genießen dürfen, auch dann ist Gott mitten unter uns.“
Schließlich hielt der Bischof im Garten des Altenzentrums für alle Bewohnerinnen und Bewohner des Hauses und ihre Gäste eine Fensterandacht, an der alle mit Freude und kräftigem Gesang teilnahmen. Bischof Georg wandte sich in seiner Andacht nochmals an die marokkanischen Auszubildenden, die muslimischen Glaubens sind. „Mit Ihrem Fasten im Ramadan ehren Sie Gott. Heute ehren wir Gott gemeinsam. Ich wünsche Ihnen eine gute Zeit und ein fröhliches schönes Fastenbrechen in der nächsten Woche!“
Am Sonntag war der Bischof im Rahmen seiner Visitation zu Gast im Haus am Quendelberg in Montabaur. Das Wohnheim wurde 2017 vom Caritasverband Westerwald-Rhein-Lahn eröffnet und bietet Platz für 24 Menschen mit Beeinträchtigung, wie der Bischof bei einem Rundgang durch das Haus erfuhr. Bätzings Besuch stand im Zeichen des 1. Mai, dem „Tag der Arbeit“. Dabei informierte sich der Gast aus Limburg aus erster Hand bei den Pflegefachkräften, für die auch der Feiertag ein „ganz normaler“ Arbeitstag ist. „Unsere Mitarbeitenden sind rund um die Uhr für die Klientinnen und Klienten da, 24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr“, betonte Caritasdirektor Frank Keßler-Weiß, der den Bischof gemeinsam mit Andrea Berger, Abteilungsleiterin Behindertenhilfe „Bildung, Wohnen und Assistenz“, im Haus am Quendelberg willkommen hieß.
In einer gemeinsamen Gesprächsrunde berichteten die Mitarbeitenden Sarah Leinert, Heide Bollen und Hauke Koch, die Auszubildende Hanna Jung sowie Einrichtungsleiterin Ines Hümmerich und deren Stellvertreter Matthias Dill von ihrer täglichen Arbeit und ihrer Motivation, warum sie sich ausgerechnet für einen sozialen Beruf entschieden haben. Der Job, da waren sich alle einig, ist nicht immer leicht und bringt eine große Verantwortung mit sich. Dennoch sind alle stets mit Spaß und Leidenschaft dabei, wie aus den lebendigen Erzählungen der Beteiligten aus ihrem Arbeitsalltag rauszuhören war. „Wer sich für den Beruf entscheidet, der ist auch mit Herz und Seele dabei. Um die Arbeit mit Menschen mit Beeinträchtigung richtig ausführen zu können, muss man den Job lieben. Nur so kann man diesen auch ein Leben lang machen“, betonte Ines Hümmerich. Gleichzeitig berichtete sie aus ihrer Erfahrung als Einrichtungsleiterin, dass es leider immer schwieriger sei, geeignetes Fachpersonal zu finden. „Im Bereich der Heilerziehungspflege gibt es sehr viele Quereinsteiger“, wusste Hauke Koch zu erzählen, der selbst erst über Umwege in der Pflege landete und früher als Lokführer arbeitete. „Oft fehlen den jungen Menschen die wichtigen Berührungspunkte mit dem Beruf, wie etwa früher der Zivildienst“, ergänzte Matthias Dill, der einst selbst seinen Zivildienst bei der Caritas absolvierte und darüber seine Bestimmung fand.
Im zweiten Teil der Gesprächsrunde berichteten die Beteiligten über die vergangenen zwei Jahre, die auch das Haus am Quendelberg vor ganz besondere Herausforderungen gestellt haben. „Unsere Mitarbeitenden haben während der Corona-Pandemie Hervorragendes geleistet. Nur so war es möglich, das Virus weitestgehend aus unseren Einrichtungen fernzuhalten“, berichtete Caritasdirektor Keßler-Weiß. Wie denn die Menschen mit Beeinträchtigung mit der ungewöhnlichen Situation, gerade während des Lockdowns, umgegangen seien, wollte der Bischof wissen. „Anfangs war es natürlich manchmal schwer das Ganze zu vermitteln, aber mit der Zeit haben alle die entsprechenden Maßnahmen verinnerlicht“, sagte Sarah Leinert und ergänzte: „Am schlimmsten war für die Bewohnerinnen und Bewohner die Zeit, in der kein Besuch in die Einrichtung durfte und sie selbst zu Hause bleiben mussten. In dieser Zeit waren wir oft Familien- und Freundesersatz in einem.“
Zum Abschluss seines Besuches im Haus am Quendelberg dankte Bischof Georg Bätzing allen Beteiligten für ihre interessanten und lebendigen Ausführungen. „Man spürt förmlich die Professionalität und ihr Verantwortungsbewusstsein. Beim Erzählen vermitteln Sie, dass Sie sehr viel Freude an ihrer Arbeit haben“, so der Bischof, dem zum Abschied von den Bewohnerinnen und Bewohnern eine Quendelpflanze als Erinnerung an seinen Besuch in Montabaur überreicht wurde.