Grenzen überwinden und Häuser wiederherstellen

Schülerinnen und Schüler des Evangelischen Gymnasiums Bad Marienberg in New Orleans, USA.2019 09 09 EvGBM NewOrleans 1
Bereits im dritten Jahr in Folge machte sich im Juni eine Schülergruppe des Evangelischen Gymnasiums Bad Marienberg (EvGBM) auf den Weg, drei Wochen in New Orleans zu verbringen. Der Schwerpunkt der Reise liegt jedes Jahr darin, Menschen einen Dienst zu erweisen und sich in

unterschiedlichen sozialen Projekten vor Ort einzusetzen, und ist somit eine Ergänzung zum parallel stattfindenden Diakonischen Praktikum der MSS 11 des EvGBM. Dass die Schülerinnen und Schüler hierbei Erfahrungen machten, die für Ihren weiteren Lebensweg prägend sein werden und neue Perspektiven entstehen ließen, kann ein Zitat aus einem Schülerbericht verdeutlichen, welcher unter der Überschrift stand: „Wie mir geholfen wurde, als ich half“.
Noch immer sind in New Orleans Häuser, welche von der Flut im Jahr 2005 zerstört wurden, nicht wiederaufgebaut. Unsere Gruppe konnte in diesem Jahr einer Familie beim Innenausbau unterstützen (Gipswände stellen, spachteln und schleifen). Die Schülerinnen und Schüler stellten hierbei nicht nur handwerkliches Geschick, sondern auch ihr feines Gespür unter Beweis, mit den Menschen über die Katastrophe von damals ins Gespräch zu kommen. Hängen geblieben ist hierbei vor allem die Herzlichkeit im Umgang und die Dankbarkeit, welche uns fremde Menschen entgegenbrachten.

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Das „Camp restore“, unser Aufenthaltsort für die drei Wochen, beheimatet Freiwillige aus allen Teilen der USA jeweils für eine Woche. Die Geldspenden der Freiwilligen werden zur Deckung der laufenden Kosten im Camp (Verpflegung und Unterkunft), aber auch für den Kauf von Baumaterialien verwendet.
An dieser Stelle sollte zudem auf die Vielfältigkeit der Arbeitseinsätze hingewiesen werden.
Sowohl die Mithilfe bei einer Tafel und die gemeinsame Arbeit mit Menschen in einer Organisation, welche Suchtbetroffenen hilft, als auch die Arbeit mit Menschen mit Behinderung im Sinne der Inklusion standen hier auf dem Programm und boten Möglichkeiten zu Begegnung und Austausch. Die Schülerinnen und Schüler berichteten in den Austauschrunden am Abend von Ihren Gesprächen. Nicht selten wurde hier der Glaube an Jesus Christus thematisiert, welcher bei vielen Menschen vor Ort eine zentrale Rolle spielt und den diese gerne und in aller Offenheit teilten. Auch für die Teilnehmer und Organisatoren des Workcamps ist der Aspekt der Ausübung christlicher Nächstenliebe eine wichtige Motivation.
Bei Besuchen in verschiedenen Kirchengemeinden konnten die Schülerinnen und Schüler ganz andere Formen der Spiritualität und Liturgie erleben, als sie von unserer Kultur her vertraut sind.
Neben der Möglichkeit, die eigene Sprachfähigkeit zu verbessern, können im Camp neue Kontakte mit den weiteren Freiwilligengruppen geknüpft werden, welche nachhaltig den eigenen Horizont erweitern:
 
„… nachdem wir die Angst vor dem Englischsprechen überwunden hatten, folgten lustige, informative und erlebnisreiche Abende im Camp. Wir konnten Neues über die amerikanischen Verhaltensweisen und die Kultur erfahren und auch mit Erzählungen über Deutschland Erstaunen und teilweise auch Belustigung hervorrufen.“
Auch außerhalb des Camps gab es freudige Ereignisse, wie beispielsweise den Besuch im Deutschen Haus, wo sich uns die Gelegenheit bot, das „Westerwaldlied“ vorzutragen.
Die Schülerinnen und Schüler hatten sich bereits im Vorfeld der Reise themengeleitet vorbereitet. Ein Beispiel hierfür ist das historische Erbe der Südstaaten in Bezug auf das Thema Sklaverei. Eine Führung auf der erst vor kurzem eröffneten Whitney Plantage öffnete die Augen und Herzen für eine uns glücklicherweise unbekannte Realität. Der Schwerpunkt dieser Plantage ist nahezu komplett auf die Lebenssituationen der Sklaven und deren Kinder gelegt. Eine eindrückliche, zeitweise bedrückende Atmosphäre, die der Grausamkeit und Brutalität der Vergangenheit Rechnung trug, bestimmte diese Stunden.
Natürlich durften wir auch die Schönheit von New Orleans mit ihrem besonderen architektonischen Mix bewundern und die historische Altstadt, genannt „French Quarter“, erkunden sowie einige Museen besuchen.
Nach drei intensiven und erfahrungsreichen Wochen engem Zusammenleben und „zusammen Wachsen“ traten wir den Rückweg in heimische Gefilde an – voll von Erinnerungen an die vielen Menschen, denen wir begegnet sind, und dankbar für die unvergesslichen und prägenden Erlebnisse. Und vielleicht mit dem Gedanken daran im Kopf, „wie mir geholfen wurde, als ich half“.

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(Foto und Text: Evangelisches Gymnasium Bad Marienberg)