„Zaubertisch“ begeistert die Senioren im Haus Helena

Pflegeinnovation aus den Niederlanden: Die Tovertafel wird derzeit im Caritas-Altenzentrum in Hachenburg getestet2020 11 Tovertafel im Haus Helena

Die Stimmung ist sichtlich gut im Speisesaal des Caritas-Altenzentrums Haus Helena in Hachenburg. Vier Bewohnerinnen sitzen zusammen, vor ihnen auf dem Tisch eine Art Fußballfeld. Mit einer gekonnten Handbewegung wischt eine der Damen über die Tischplatte und befördert den virtuellen Ball ins gegenüberliegende Gehäuse. Ihre Sitznachbarin quittiert die Aktion mit einem beeindruckenden „Das war ein

Tor“.
Fast könnte man meinen, die vier Seniorinnen sitzen an einem überdimensionalen Touchscreen. Doch das, was den Bewohnerinnen da gerade jede Menge Spaß bringt, ist weder Tablet noch Smartphone – es ist ein normaler Tisch. Des Rätsels Lösung hängt ein wenig höher über dem Quartett – und heißt Tovertafel. Das besondere Gerät macht aus dem normalen Tisch im Speisesaal einen sogenannten „Zaubertisch“.

2020 11 Tovertafel im Haus Helena

Die Tovertafel im Einsatz: Wie durch Zauberhand erscheinen beispielsweise Blumen und Blätter, die bewegt und vergrößert werden können. Reime, Sprichwörter oder auch Puzzle können zusammengefügt, Lieder und Melodien abgespielt werden. Dabei erkennt das Gerät die Bewegungen, die auf dem Tisch vorgenommen werden und lässt den normalen Tisch wie einen Touchscreen wirken. Jeder kann dabei im Rahmen seiner eigenen Fähigkeiten mitmachen. (Foto: Caritas)

Die Tovertafel (niederländisch für Zaubertisch) ist der neueste Hit bei den Bewohnern im Haus Helena. Das Funktionsprinzip ist eigentlich recht einfach: Ein Beamer, verbunden mit weiteren Sensoren, wird an der Decke montiert und auf die Größe des sich darunter befindlichen Tisches kalibriert. Anschließend werden unterschiedliche interaktive Aktionen und Spiele auf den Untergrund projiziert.
Die Tovertafel ist allerdings keinesfalls ausschließlich für den Spaß da, vielmehr hat das Gerät einen ernsten Hintergrund. Es wurde speziell für und gemeinsam mit Menschen in der mittleren und späten Phase von Demenz entwickelt. Die interaktiven Spiele durchbrechen Apathie, also Teilnahmslosigkeit, indem sie körperliche und geistige Aktivität stimulieren und soziale Interaktion fördern. Quasi per Knopfdruck verwandelt sich so ein ganz normaler Tisch in ein Spielfeld, ohne die sichere, vertraute Umgebung der Bewohner zu verändern.
„Die Tovertafel ist eine wertvolle Bereicherung für den Alltag der Senioren“, sagt Einrichtungsleiterin Anja Kohlhaas und fügt mit einem Augenzwinkern hinzu: „Aber auch unsere Mitarbeitenden haben ihren Spaß, wenn sie die Bewohner beim Spielen mit der Tovertafel unterstützen.“ Entwickelt wurde das mobile Gerät, dass mit wenigen Handgriffen auch an anderer Stelle aufgehängt werden kann, in den Niederlanden. Im Internet hatte Anja Kohlhaas durch Zufall einen Artikel darüber entdeckt, der sie sofort neugierig machte. Schließlich entschied sich die Einrichtungsleiterin, das Gerät in der Praxis zu testen. „Wir haben an einem Gewinnspiel des Herstellers teilgenommen und prompt die Tovertafel für einen Testzeitraum von einem Monat gewonnen“, berichtet Kohlhaas, die das Gerät zusätzlich für zwei weitere Monate mietete. In der vierteljährigen Testphase soll geschaut werden, wie die Bewohner im Haus Helena die Pflegeinnovation aus den Niederlanden annehmen. Bewährt sich die Tovertafel, soll im kommenden Jahr ein eigenes Gerät angeschafft werden, wie Anja Kohlhaas erklärt.

Geht es nach den Bewohnern des Caritas-Altenzentrums, ist eine dauerhafte Anschaffung bereits abgemachte Sache. Denn schon nach kürzester Zeit sind viele der Senioren im Haus Helena zu echten Tovertafel-Fans geworden. „Es ist wunderbar mit anzusehen, wie viel Freude das Gerät unseren Bewohner bringt“, erzählt Pflegefachkraft Carina Donath und erläutert: „Für die fitteren Senioren etwa dient sie als Gedächtnistraining. Und auch die Tagesgäste finden das neue Spielerlebnis toll.“ Die Tovertafel – da sind sich Anja Kohlhaas und Carina Donath sicher - trägt zum Wohlbefinden aller Bewohner im Haus Helena bei.