Schüler organisieren Abend zum Asylrecht

Beeindruckende Veranstaltung in Höhr-Grenzhausen

„Asylrecht – Fluch oder Segen“. Diese Frage stand über einem Abend im Gymnasium „Im Kannebäckerland“, Höhr-Grenhausen, den Schüler des Grundkurses Ethik, Stufe 12, vorbereitet hatten.

Ein Thema, das den jungen Menschen zu wichtig war, um es nur im Klassenzimmer zu behandeln. Deshalb luden die Jugendlichen neben Bürgermeister Thilo Becker auch Christiane Kolberg-Neuesüß als Vertreterin der evangelischen Kirchengemeinde Höhr-Grenzhausen, Joachim Brandt, der sich privat für Flüchtlinge einsetzt sowie die Flüchtlinge Ferhad und Rezan Khello ein, die zurzeit mit ihrer Familie im Kirchenasyl in Höhr-Grenzhausen leben.
Nach einer informativen Einführung der Schüler kamen die geladenen Gäste mit den Besuchern ins Gespräch und sprachen über die Situation von Menschen auf der Flucht.
63 Flüchtlinge leben momentan in Höhr-Grenzhausen. Bei rund 13.600 Einwohnern klingt das zunächst wenig – und es waren durchaus auch schon mal mehr, betont Thilo Becker. Aber es sind 63 Menschen, um die man sich kümmern muss. Viele Höhr-Grenzhäuser tun das bereits: Die Hilfe reicht von Sachspenden bis zur Betreuung und der schlichten, aber wichtigen Akzeptanz. Zudem soll die Möglichkeiten der Hilfe nach Ostern vereinfacht werden: Geplant ist, die unterschiedlichen Anlaufstellen zu verknüpfen, die Zusammenarbeit besser zu koordinieren und so die Beteiligung der Bürger zu stärken.

Das Foto zeigt Rezan (Mitte) und Ferhad Khello.

Ein gutes Beispiel für privates Engagement gibt Joachim Brand. Der Hochschulprofessor hatte schon während seiner Ausbildung Kontakte in den Vorderen Orient geknüpft, und als sich die Lage in Syrien immer weiter zuspitzte, erhielt er einen Hilferuf einer ehemaligen Studentin. Nach einigen rechtlichen Schwierigkeiten gab es nach gut zwei Jahren in letzter Minute die Möglichkeit, die Familie nach Deutschland zu holen. Seitdem leben und arbeiten sie hier.
Sein Beispiel zeigt die große Begeisterung, die viele in ihrem Engagement entwickeln. Denn die ist nötig, um den mitunter zähen Umgang mit den Behörden auf sich zu nehmen und Menschen letztendlich helfen zu können.
Auch die Geschichte der Familie Khello beeindruckt die Zuhörer. Die Syrer sind nach zwei Jahren Flucht in Deutschland angekommen und nach Höhr-Grenzhausen geschickt worden. Dort lebten sich die Eltern mit ihren drei Kindern ein, bis plötzlich der Abschiebebescheid nach Bulgarien kam. Ohne viel über die Situationen zu wissen, nahm die evangelische Kirchengemeinde, in Absprache mit der katholischen, diese Familie dann ins Kirchenasyl und damit in ihren Schutz auf. Innerhalb kürzester Zeit mussten kirchliche Räume mit Möbeln bereitgestellt und ein Helferstab aufgebaut werden. Ein weiteres Beispiel dafür, dass nicht lange überlegt, sondern geholfen wurde.
Wie groß die Not der Khellos war, erläuterten die Söhne Rezan und Ferhad im anschließenden Gespräch. Sie berichteten von lebensgefährlichen Etappen ihrer Flucht; davon, immer wieder aufgebrochen zu sein, stets mit der Unsicherheit, nicht zu wissen, wie es weitergeht. Auch in Bulgarien machten sie traumatische Erfahrungen, sodass sie dorthin nicht zurück wollen – zumal sie in Deutschland Verwandte haben. Im Moment konzentrieren sie sich darauf, ihr Deutsch zu verbessern, die Schule abzuschließen beziehungsweise an einer Universität angenommen zu werden und eine Arbeitserlaubnis zu erhalten. Ob die Familie in Deutschland bleiben kann, weiß aber noch niemand.
Trotzdem ist der Abend in Höhr-Grenzhausen einer mit vielen Lichtblicken – und mit Menschen, die helfen wollen, dass sich das Leben der Flüchtlinge verbessert.