Stammtisch „Six Auerns“ feierte 60-jähriges Bestehen

Jeden Sonntag trifft sich die Runde in der Gaststätte Doll in PottumPottum Stammtisch 08 2019.03 v1

„Ja wenn das so ist, dann Prost!“, schallt es durch die Gaststätte Doll in Pottum. Die Mitglieder des Stammtischs „Six Auerns“ sind in Feierlaune und dafür haben sie auch einen guten Grund: Sie feiern ihr 60-jähriges Bestehen. Seit sechs Jahrzehnten treffen sie sich jeden Sonntag in der Zeit von 18 bis 20 Uhr, um bei dem ein oder anderen Schoppen die

Geselligkeit zu pflegen, Neuigkeiten auszutauschen oder über verschiedene Themen zu diskutieren.

An diesem Abend möchten sie ihr Jubiläum gebührend feiern. Als Gastgeber freuen sich Anke und Klaus Doll, dass neben den Stammtischbrüdern auch deren Frauen ihrer Einladung gefolgt sind. Herzliche Glückwünsche überbringt auch Jens Geimer, Geschäftsführer der Westerwald Brauerei in Hachenburg. Als Geschenk spricht er eine Einladung zu einer Brauereibesichtigung aus.

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„Es ist schön, dass wir diesen runden Geburtstag zusammen feiern können“, hieß zuvor Klaus Doll die Festgäste herzlich willkommen. „Die ersten 30 Jahre wart ihr meinen Eltern Anneliese und Alois treu, die zweiten 30 Jahre meiner Familie“, hebt der Gastwirt hervor.

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Seit 60 Jahren treffen sich die Mitglieder des Stammtischs „Six Auerns“ im Gasthaus Doll in Pottum: Horst Hölper (von links), Dieter Hering, Erwin Helsper, Willi Klees, Harald Heinz und Hermann Held.

Lauter schöne Kerle

„Wir sind lauter schöne Kerle“, zeigt Erwin Helsper in die Runde. Der 91-Jährige ist der Boss des Stammtischs. Er zählt ebenso wie Harald Heinz und Willi Klees zu den Gründungsmitgliedern. In den ersten Jahren waren auch Richard Diehl und Arthur Krämer dabei. Den verstorbenen Stammtischbrüdern Hubert Kaiser, Franz-Theo Hering, Peter Tholen und Bernhard Hölper wurde am Nachmittag auf dem Friedhof gedacht. Diakon Dieter Hering, der seit 55 Jahren dazugehört, erinnerte an jeden einzelnen mit amüsanten und herzlichen Vierzeilern. Komplett ist der aktuell sechsköpfige Stammtisch „Six Auerns“ mit Hermann Held und Horst Hölper.

„In den 1980er Jahren hatten wir Hochkonjunktur, da waren wir rund ein Dutzend“, berichten die Männer. Wie im Gespräch zu erfahren ist, liegt der Ursprung dieser Treffen im „Ausklang“ der Tischtennisspiele, die seinerzeit sonntagsnachmittags stattfanden. Einige Sportfreunde blieben länger. „So wurde es schließlich zur Gewohnheit, dass sich abends immer die gleichen Herren am großen runden Tisch einfanden“, erläutert Klaus Doll. Die muntere Männerrunde gab sich den Stammtischnamen „Six Auerns“ (6 Uhr in Mundart), da es um diese Zeit offiziell losging. Noch heute treffen sich die Mitglieder jeden Sonntag von 18 bis 20 Uhr. Eine Tradition, die nach wie vor großgeschrieben wird.
„Die meisten von uns waren früher im Elferrat aktiv“, ist von Hermann Held zu erfahren. „Viele von uns waren maßgeblich an der Gründung des Pottumer Carnevals Clubs im Jahre 1966 beteiligt“, führt er hinsichtlich ihres Engagements für Verein und Gemeinde weiter aus.

Schöne Ausflüge
Nicht viel verraten wollten sie über ihre mehrtägigen Ausflüge, die sie im Laufe der Jahre unternahmen. Die meisten Ziele erreichten sie mit der Bahn. Bilder zeugen von ihren „Kurzurlauben“ in Dresden, Hamburg, München, Kopenhagen, Wien und Prag. „Wir waren immer brave Brüder“, lacht Erwin Helsper verschmitzt und denkt dabei auch an die Besuche der Weinfeste in Bad Hönningen und dem Sauerlandstern. Heilig war ihnen stets der Vatertag. „Der ging dann von morgens um 6 bis abends um 6 Uhr und manchmal auch länger“, wirft Dieter Hering ein.

Vom vielen Erzählen sind ihre Kehlen durstig geworden. Eine Runde frisch gezapftes Pils steht bereit. Zusammen mit einem Klaren bildet es ein „Herrengedeck“. Doch erst stimmen sie noch gemeinsam eines ihrer vielen Lieder an: „Ja wenn das so ist, dann Prost!“ an. „Wer mehr hören möchte, der kann dann gleich die nächste Runde geben“, sind sich die Sechs augenzwinkernd einig.

Klar, dass die Stammtischbrüder ihre Frauen zu den Treffen und Ausflügen nicht mit einluden. „Das haben wir uns nicht lange angesehen“, ist dann von den weiblichen Festgästen zu erfahren. Vor nahezu 50 Jahren gründeten sie ihren eigenen Stammtisch. Sie gaben sich den Namen „Die Podemer Bachstelzen“.

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Sie treffen sich alle zwei Wochen, ebenfalls um 18 Uhr. Ihr Tisch steht natürlich in einer anderen Ecke der Gaststätte. Und da sie sich nicht so oft zusammensetzen, bleiben sie meistens länger wie ihre Männer.

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Die Pottumer sind froh, dass sie noch eine Gaststätte im Ort haben und ihre Stammtischtradition pflegen können. So auch die Mitglieder des Elferrats im (Un-)Ruhestand, der Möhnenclub, der Schwimmclub, die Knobelclubs und die verschiedenen Skat-Freunde, die alle hier in gewissem Sinne ein zweites „Zuhause“ haben. (Text und Foto: Ulrike Preis)