Alsbacher Glocken läuten ganz sicher

Kirchengemeinde restauriert maroden Glockenstuhl

Die alte Glocke hat viel er- und überlebt: In den vergangenen 500 Jahren überstand sie nicht nur mehrere Kriege, sondern auch einen Blitzeinschlag und offenbar sogar einen Sturz aus dem Alsbacher Kirchturm.

Doch seit dem Zweiten Weltkrieg stehen die ältere Dame und ihre beiden jüngeren Geschwister auf wackeligen Beinen: Der Glockenstuhl der Alsbacher Kirche konnte deren stattliches Gewicht kaum noch halten. Nun hat die Evangelische Kirchengemeinde Alsbach die Halterung auf Vordermann gebracht, damit das Trio künftig sicher läuten kann.
Eine Maßnahme, die eigentlich schon lange fällig war, denn der alte Glockenstuhl war alles andere als fachmännisch konstruiert, erklärt Pfarrer Hartmut Failing: „Lange hing nur die 1511 von Peter van Echternach erbaute Glocke im Turm. Die anderen sind im Krieg dem Schmelzofen zum Opfer gefallen oder im Laufe der Jahrhunderte verschwunden.

In den 1950er-Jahren sollten allerdings wieder drei Glocken in der Alsbacher Kirche läuten. Und 1955 kam’s dann auch so. Das Dumme: Die Statik hatten die Konstrukteure dabei offenbar nicht im Blick“, sagt Failing. „Denn die beiden neuen waren schwerer als die alte, und der Stuhl war an wesentlichen Verbindungen nicht stabil genug.“ Doch statt die Klangkörper ein für alle Mal auf sichere Beine zu stellen, wurde im Laufe der Jahrzehnte eher halbherzig als gewissenhaft gearbeitet, glaubt Failing: „Statt vernünftiger Reparaturen gab’s immer nur gut gemeinte Ausbesserungen. Um zum Beispiel die mächtigen Holzblöcke zu stabilisieren, an denen die Glocken hängen, verwendete man statt dicker Schrauben nur gewöhnliche Türkeile.“


Die Folge der Flickschusterei: Die Aufhängung wurde immer instabiler und bewegte sich während des Läutens mehrere Zentimeter in beide Richtungen. Ein im wahrsten Wortsinn unhaltbarer Zustand, fand der Kirchenvorstand und wollte fortan kein Risiko mehr eingehen: Die große der drei Glocken, die immerhin 920 Kilogramm wiegt, wurde vor rund zwei Jahren abgestellt und allen dreien endlich eine vernünftige Halterung spendiert. Eine nachvollziehbare Entscheidung: Schließlich bringen sie zusammen insgesamt stolze 1,8 Tonnen Gewicht auf die Waage.
Anfang August begannen die Arbeiten im Kirchturm: Die alten, teilweise vom Holzwurm zerfressenen Balken wurden instandgesetzt oder durch stabile ersetzt; die Schwungräder, Antriebsketten und Lager wurden ebenso wie die Klöppel erneuert, und sämtliche Aufhängungen sowie die Querbalken sind nun mit dickeren Stabilisierungsbalken und massiven Schrauben vernünftig gesichert. „Die alten Antriebsmotoren haben wir aber gelassen. Die sind einfach nicht kaputtzukriegen und laufen wie geschmiert“, sagt Failing lächelnd. Neu sind außerdem auch der Aufgang zum Turm sowie dessen Boden.
Bis Mitte September haben die Arbeiten gedauert. Nun sind die Glocken in einem Gottesdienst eingeweiht worden, und Hartmut Failing ist froh, dass die alte Dame und ihre beiden Schwestern ihre nächsten 500 Jahre einläuten können.