„Ab in den Container“ mit der „Bergbühne“ Wallmerod

Zu den Mitwirkenden gehören auch zehn Flüchtlinge

Die „Bergbühne“ kommt mit dem Theaterstück „Ab in den Container“ am Samstag, den 3. September, und am Freitag, den 9. September in Hahn am See auf die Bühne. Jeweils um 20 Uhr öffnet sich der Vorhang für die Schauspieler des Kulturfördervereins der Verbandsgemeinde Wallmerod im Gemeindezentrum von

Hahn am See. Nach den Aufführungen von „Am achten Tag schuf der Mensch den Menschen“ (2014) und „Jedermann“ (2015) ist es nun die dritte Arbeit der engagierten Theaterpädagogin Bärbel Vienna-Garn, die sie mit dem Theaterensemble „Bergbühne“ einstudiert hat.

Szenenfoto der „Bergbühne“ aus einer der frühen Proben zu „Ab in den Container“

Nach den Erfolgen aus den Vorjahren hoffen die Theatermacher auch in diesem Jahr den Geschmack des Publikums mit der Arbeit von Jutta Golitsch zu treffen. Seit Monaten sind die Schauspieler der „Bergbühne“ am Proben.
 

 
Unter der Leitung von Bärbel Vienna-Garn üben rund 20 Personen das Theaterstück ein, unter ihnen auch zehn Flüchtlinge, die in der Verbandsgemeinde Wallmerod untergebracht sind. Die jungen Männer lobt die Theaterpädagogin besonders: „Unglaublich ist das Engagement und die Freude am Spielen. Ganz nebenbei sind sie auch ein großer menschlicher Gewinn für die Gruppe!“

Schwierig ist es natürlich mit der Sprache. Deshalb hat Vienna-Garn extra den Text von Jutta Golitsch bearbeitet und um begleitende „Fernsehkommentare“ in deutscher und arabischer Sprache ergänzt. In dem aktuellen Stück, werden die sozialkritischen Aspekte durch eine illustre Gruppe von verschiedenen Repräsentanten in unserer Gesellschaft verdeutlicht. Vom gestrauchelten Adligen bis zum alkoholkranken Penner treffen sich hier die unterschiedlichsten Menschen hinter einem Supermarkt.

Die Gruppe trifft sich am Abfallcontainer nicht nur um ihre Not zu lindern, indem sie die Abfallreste verwerten, sondern auch um Erfahrungen auszutauschen. Dabei handelt es sich oft um kontroverse Standpunkte, die aber auch höchst komische Situationen hervorbringen.

Die Geschichte:

Es ist 21 Uhr, eine Stunde vor Geschäftsschluss. Im Hinterhof des Lebensmittelmarktes werden wie jeden Abend Obst, Gemüse und Lebensmittel mit abgelaufenem Haltbarkeitsdatum in einen Container entsorgt. Die Angestellten wissen nicht, dass der gut gefüllte Container längst ein Treffpunkt Bedürftiger ist, die ein wenig Abwechslung in ihren Speiseplan bringen wollen. Otto von Treyspitz, verarmter Adel, und Charly Merk, ein Obdachloser, sind schon alte Hasen im „Containern“. Aber auch für Colette, eine Ordensschwester und Street- workerin und ihre beiden Schützlinge Chantal und Feli- citas, wird der Container zur Fundgrube. Filialleiter Andreas Mehlbichler hat aber seine eigenen Pläne, was mit den vielen Lebensmitteln geschehen soll. Und so kommt es an diesem Abend zu einem unvorher- gesehenen Stelldichein gegensätzlicher Interessen. Weil wir uns aber in einer Komödie befinden, wird zu guter Letzt für Ausgleich gesorgt. Begleitet wird das Geschehen von zwei Fernsehsprechern.

Ab in den Container (J. Golitsch)

Eine ganz normale Inhaltsangabe eines ganz normalen Theaterstückes – und doch etwas anders. Von der ersten Probenstunde an waren in der Spielgruppe mehrere Syrer, seit einigen Wochen in Deutschland. Zwei von ihnen verzogen nach Montabaur, sehr bedauerlich, denn einer mit sehr guten Sprachkenntnissen hatte sogar eine Rolle im Stück. Bei den verbleibenden war die deutsche Sprache für eine Rolle noch nicht weit genug entwickelt. Guter Rat war also teuer. Kurzerhand schrieb die Regisseurin, Bärbel Vienna- Garn, also eine Rahmenhandlung zum Stück. Hierbei geht es um begleitende „Fernsehkommentare“ in deutscher und arabischer Sprache. Damit ist für die Flüchtlinge unter den Zuschauern zumindest ein globales Verständnis gewährleistet und für die Anwesenden gab es ausreichend Rollen. Inzwisch- en waren nämlich noch weitere Asylanten anderer Nationali- täten hinzugekommen (Afghanistan, Iran). Das Engagement war beeindruckend. Keine Probe wurde versäumt. An deren Ende gingen stets alle lachend nach Hause. Ganz nebenbei war der spielerische Erwerb deutscher Sprache sehr willkommen. Ohne Grammatik Plackerei, aber mit viel Spaß, lief die Interaktion zwischen deutschen und ausländischen Schauspielern. Freundschaften wurden geschlossen. Kulturelle Integration geht nicht nur, aber auch über Theater – und das nicht allein an den Bühnen großer Städte.

Eintrittskarten sind ermäßigt im Vorverkauf bei der Verbandsgemeindeverwaltung in Wallmerod, Gerichtsstr. 1, zum Preis von 7 Euro zu erhalten. Kinder und Jugendliche bis zum 17. Lebensjahr zahlen 3 Euro. Die Karten kosten an der Abendkasse 8 bzw. 4 Euro.