Neue Selterser Pfarrerin ist in der Region verwurzelt

Swenja Müller beginnt in Selters und erlebt motivierte Gemeinde voller guter IdeenSwenja Mueller 3

Die neue Selterser Pfarrerin ist für viele Menschen der Region eine alte Bekannte: Seit Anfang August betreut Swenja Müller die Evangelische Kirchengemeinde. Nicht nur für die Marienrachdorferin dürfte sich der Start wie ein Heimkommen anfühlen. Schon seit dem Weggang ihres Vorgängers vor rund zwei Jahren kümmert sich Swenja Müller mit einer Viertelstelle um die Verwaltungsangelegenheiten der

Kirchengemeinde. Ihr Herz schlägt freilich fürs Zwischenmenschliche: „Schon damals, während meines Studiums in Marburg und Tübingen, wusste ich, dass ich kein Büchermensch bin – obwohl ich sehr gerne lese“, sagt sie. Ich wollte immer mit Menschen arbeiten.“
Nicht nur als Seelsorgerin, sondern auch als Pädagogin. Und deshalb führt sie ihr Weg nach dem Studium, dem Vikariat in Rückeroth und dem Spezialvikariat im Rückerother Jugendhaus „Baustelle“ erst einmal in die Schule: In Herschbach unerrichtet sie von 1995 bis 2002 Religion und tritt erst danach ihre erste Pfarrstelle in Kroppach an.

Swenja Mueller

Swenja Müller (Fotos: Peter Bongard)

Die Episode in Herschbach sollte nicht die letzte an einer Schule bleiben: Von 2009 bis 2020 ist sie Schulpfarrerin am Evangelischen Gymnasium Bad Marienberg. Eine Zeit, die die gebürtige Boroderin trotz ihrer neuen Pfarrstelle langsam ausklingen lassen möchte. „Die jetzige 13. Klasse kenne ich schon von Anfang an. Mit ihnen gehe ich noch bis zum Abitur“, verspricht sie.
Der Abschied aus Bad Marienberg fällt Swenja Müller eben nicht leicht. Schließlich hat sie gemeinsam mit Pfarrer Peter Wagner das geistliche Leben an der Schule entscheidend geprägt: Sie ist die erste Pfarrerin des 2005 neu gegründeten Gymnasiums, hebt die regelmäßigen Andachten im Foyer aus der Taufe, ist Schulseelsorgerin und führt u.a. das Stärkungsmahl ein, eine charmante Kombination aus Segen, Andacht und einem Pizzaessen für die Abiturienten.

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Der Pädagogik bleibt sie aber auch in Zukunft treu: Sie wird weiterhin unterrichten und bildet mit ihren Kollegen Peter Wagner und Hartmut Failing künftig Prädikantinnen und Prädikanten aus, also ehrenamtliche Predigerinnen und Prediger.
Swenja Müller weiß eben, wie wichtig das Ehrenamt für die Kirche ist. „Ohne Ehrenamtliche kann ich mir kein Gemeindeleben vorstellen“, sagt sie und erlebt auch das Team ihrer eigenen Gemeinde als ausgesprochen engagiert. „Selbst die recht lange Vakanzzeit hier in Selters haben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gestemmt und waren dabei nie frustriert, sondern immer offen für Neues.“
Allerdings hat die neue Pfarrerin den Eindruck, dass die Selterser Kirchengemeinde wegen der Vakanzen „noch auf der Suche nach sich selbst ist“, wie sie es formuliert. Swenja Müller möchte mit auf diese Suche gehen und dabei vor allen Dingen eines geben: Verlässlichkeit. „Ich wohne in Marienrachdorf, also ganz in der Nähe. Dass ich hier verwurzelt bin, gibt der Gemeinde Sicherheit.“ Auch und gerade während der Coronakrise: In den vergangenen Monaten bleibt Swenja Müller mit den Menschen der Region in Kontakt und zeigt mit viel Kreativität, dass Kirche da ist. Zum Beispiel mit den Andachten vor dem Selterser Seniorenheim, die sie gemeinsam mit der Referentin für Gesellschaftliche Verantwortung, Nadine Bongard, auf die Beine stellt. Oder den „Gottesdienst aus der Tüte“: Seit dem Frühjahr verpackt Swenja Müller Vorschläge für eine Andachten in den eigenen vier Wänden in Tütchen, hängt sie an die Tür der Selterser Kirche oder bringt sie ihren „Schäfchen“ direkt vorbei. „Diese Aktion war wichtig. Durch sie habe ich viele Menschen besser kennengelernt, und sie haben mich als Pfarrerin erlebt“, glaubt sie.

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Das gegenseitige Vertrauen ist also da. Und der Wunsch, als Gemeinde neu aufzubrechen, ebenfalls. Swenja Müller möchte als Pfarrerin besonders die jungen Menschen und deren Leben stärker im Blick haben. „Die Jugendlichen sollen mit dem, was sie bewegt, in der Kirche Raum finden“, sagt sie und möchte die Konfi-Arbeit stärker an deren Lebenswirklichkeit orientieren. Dazu gehört auch, dass nicht nur die junge Generation inzwischen kaum noch zwischen evangelischen oder katholischen Christen unterscheidet. „Deshalb ist mir auch die Ökumene ein großes Anliegen. Ich will das ohnehin schon gute Miteinander weiter vertiefen und die gemeinsamen Gottesdienste pflegen. Außerdem bin ich mit Diakon Dieter Wittemann nun auf dem Markt in Selters, um mit den Menschen ins Gespräch über Gott und die Welt zu kommen“, sagt sie.
Echte Kirche findet eben nicht nur in der Kirche statt. Sondern dort, wo Menschen sind und zusammenkommen. „Es gibt in der Evangelischen Kirchengemeinde schon so viele gute Dinge, die in den vergangenen Jahren leider etwas zu kurz gekommen sind und die wir nur wieder anstupsen müssen: zum Beispiel den Frauenkreis „Frauenzimmer“, die enge Zusammenarbeit mit der Jugendkirche ,Way to J‘ oder die Samstagsgottesdienste mit besonderer Note“, sagt die Pfarrerin. „Deshalb finde ich es ausgesprochen einfach, hier anzufangen. Es ist schon so viel Gutes da, und die Gemeinde hat Lust, das Gute neu zu entdecken.“ (bon)