Schulsozialarbeiterin hilft Schülern bei Problemen und Konflikten

Kooperation zwischen VG Westerburg und dem Diakonischen WerkWbg. Schulsozialarbeit Johanna Klink 10 2021.4 v2

Unserem Nachwuchs wird in der Schule in erster Linie Wissen vermittelt. Im Mittelpunkt stehen dabei Fächer wie Deutsch, Englisch und Mathematik sowie eine Vielfalt an Nebenfächern. Gleichzeitig sollen die Mädchen und Jungen jedoch auch lernen, wie man Konflikte löst, eine Auseinandersetzung gewaltfrei beendet und sowohl in der Schule als auch im Alltag respektvoll miteinander umgeht. Es ist wichtig, dass die

moderne Bildung nicht auf die Vermittlung von Fakten und fachlichen Fähigkeiten beschränkt wird, sondern dass die Sozial- und Lernkompetenzen der Schüler gestärkt werden. Zur Unterstützung dieser Arbeit gibt es sowohl an der Realschule plus am Schlossberg Westerburg als auch an den sieben Grundschulen in der Trägerschaft der Verbandsgemeinde Westerburg Schulsozialarbeiterinnen, die Ansprechpartner sind und ein vielfältiges Aufgabengebiet haben.

Hintergrund
Seit dem 1. Februar 2019 besteht ein Kooperationsvertrag zwischen der Verbandsgemeinde Westerburg und dem Diakonischen Werk Westerwald bezüglich der Durchführung von Schulsozialarbeit an den Grundschulen der VG Westerburg. Hierzu zählen die Grundschulen in Gemünden, Guckheim, Höhn, Kaden, Langenhahn, Stockum-Püschen und Westerburg. Zur Erfüllung dieser Aufgabe wurde Johanna Klink mit einem Umfang von 0,75 Vollzeitstellen einer Sozialarbeiterin eingestellt. Zum 1. Januar 2022 wird ihre Stelle auf eine ganze Vollzeitstelle erhöht. Diesen Entschluss fasste der Verbandsgemeinderat bei seiner jüngsten Sitzung (wir berichteten).

Im Rahmen dieser VG-Ratssitzung hatten Diplom Psychologe Frank Müller und seine Kolleginnen Johanna Klink und Michelle Müller (seit 2019 Schulsozialarbeitern an der Realschule plus am Schlossberg Westerburg) Gelegenheit, von ihrer Arbeit zu berichten.

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Johanna Klink betreut als Schulsozialarbeiterin die Grundschulen in der Verbandsgemeinde Westerburg

Lehrer tatkräftig unterstützen
Manchmal ist die Lern- und Leistungsbereitschaft von Schülern beeinträchtigt, der Unterricht wird geschwänzt, Hausaufgaben nicht erledigt, Streitereien angezettelt. Der Grund hierfür kann beispielsweise ein schlechtes Klima in der Klasse sein, Schüler werden geärgert und ausgegrenzt, Liebeskummer keimt auf oder es gibt Probleme in der Familie. In all diesen Fällen haben es Lehrer allein oft schwer. Schließlich haben sie den Auftrag, Wissen zu vermitteln und Leistungen zu bewerten. Seit einigen Jahren stehen ihnen hier die Schulsozialarbeiterinnen zur Seite. Sie sind sowohl Ansprechpartner für die Schüler und Lehrer, als auch für die Schulleitungen und Eltern.

Kontakt zu den Schülern
Die Corona-Pandemie hat erhebliche Spuren in den Familien hinterlassen und brachte einen Umbruch in ihrer Arbeit mit sich, dies machten die beiden Schulsozialarbeiterinnen in ihren Vorträgen deutlich. Seit März 2020 hätten sich die Probleme extrem verschärft. Die schulischen Schwierigkeiten hätten zugenommen. Als Hauptgrund führen sie das Homeschooling an. Zugenommen habe auch die häusliche Gewalt, es gäbe mehr Trennungen und Scheidungen der Eltern. Die Anzahl der Kontakte, sei es telefonisch oder auch im persönlichen Gespräch, sei rapide gestiegen, was sie mit Zahlen belegten.
„Das letzte Kita-Jahr fehlt, das ist deutlich spürbar“, hob Johanna Klink für die Erstklässler hervor. Die ganze Problematik habe für sie eine sehr herausfordernde Arbeit mit sich gebracht. So habe sie seitdem viele Hausbesuche gemacht, Kontakte zu Familien aufgebaut und auch gehalten. Dabei musste sie natürlich auch mit den Sprachbarrieren umgehen. Ein großes Thema sei die Schulverweigerung gewesen, die sich jedoch nach Gesprächen mit den Familien zumeist aufgelöst hätten. „Die investierte Zeit zahlt sich aus“, zeigte sie sich zufrieden.
Damit sich Konflikte erst gar nicht hochschaukeln, soll ab dem 2. Schuljahr eine Streitschlichter-AG gegründet werden. „Grundschüler bedürfen eines besonderen Schutzes“, gab sie zu bedenken. Es sei wichtig, eine gute Atmosphäre zu schaffen, so dass alle gut und gemeinsam lernen können. Zu den Perspektiven für die kommenden Monate sieht sie verstärkte Klassentrainings und Elternarbeit sowie die Mitwirkung an Leitbildern und Schulkonzepten.

Konfliktfelder
Von einem „multikulturellen Schulbild“ sprach Michelle Müller für die Realschule plus am Schlossberg Westerburg. Auch hier hätten sich die Konfliktfelder in der Pandemie verschärft. Ein wichtiges Thema sei das Netz, äußerte sie sich im Hinblick auf die neuen Medien und die zunehmende Digitalisierung, die nicht immer von Vorteil sei. Aber auch der gesellschaftliche und familiäre Wandel sowie die sozialen Aspekte wie niedriges Einkommen und niedriger Bildungsstand seien maßgebend. „Die Probleme zeigen sich im Verhalten der Kinder“, erläuterte sie. Dabei machte sie deutlich, dass auch leistungsstarke Kinder unterstützt werden müssen.

Der Beratungsbedarf sei insgesamt gestiegen. Den Herausforderungen des Homeschoolings seien auch die Jugendlichen in der weiterführenden Schule nicht immer gewachsen. Bestehende Konflikte hätten sich verstärkt. Dazu kämen erhebliche Wissensrückstände, Leistungsverweigerung, der Verlust der Tagesstruktur sowie das zunehmende Suchtverhalten.
Wichtig für ihre Arbeit sei ein Raum für ungestörte Gespräche. Im Ausblick für das Schuljahr 2021/22 benennt sie verstärkte Angebote von Klassentrainingsprogrammen und -projekten im Sinne von prosozialem Verhalten, Emotionsregulierung sowie Inklusion. Überdies seien Workshops zu den Themen Klassengemeinschaft, Diversität, Mobbing und Verhalten im Netz angedacht. Auch das Angebot von Arbeitsgemeinschaften im Nachmittagsbereich soll verstärkt werden. Ergänzend sollen auch die Erziehungsberechtigten mittels pädagogischer Elternabende vermehrt mit einbezogen werden.
„Komplexe Problemlagen benötigen viel Zeit“, betonte auch Frank Müller, der ebenfalls die wichtige Bedeutung der Schulsozialarbeit hervorhob und sich für das entgegengebrachte Vertrauen und die gute Zusammenarbeit aller Beteiligten, wozu auch der Beginenhof Westerburg gehört, bedankte. Auch VG-Bürgermeister Markus Hof nutzte die Gelegenheit, sich bei den Mitarbeitern des Diakonischen Werks für deren gute Arbeit zu bedanken.