Heimat unter der Lupe

Veränderung der Westerwälder Vogelwelt im „Auf und Ab“ von 200 JahrenWW Vogelwelt in 200 Jahren M. Weidenfeller 2
Der Naturschutzbund Hundsangen (NABU) hatte zu einem Vortrag ins Foyer der Ollmersch-Halle nach Hundsangen eingeladen. Diesmal ging es bei der sehr gut besuchten Veranstaltung um die Untersuchung der Vogelwelt in zwei Jahrhunderten.

Referent des Abends war Antonius Kunz aus Nister von der „Gesellschaft für Naturschutz und Ornithologie Rheinland-Pfalz“ (GNOR).
Nach Antonius Kunz und weiteren Vogelkundlern hat sich in den zurückliegenden Jahrhunderten die Vogelwelt des Westerwaldes in ihrer Artenzusammensetzung erkennbar verändert. Die Veränderungen betreffen sowohl Zuwanderungen wie auch Verluste bei den Brutvogelarten. Diese Veränderungen im Westerwald wurde vom Vogelexperten Kunz geschichtlich dokumentiert und mit Beispielen eindrucksvoll vorgestellt. Danach ist der Rückgang der Vogelarten weitgehend im Agrarland bzw. im Grünland und auf intensiv genutzten Flächen erfolgt und viele Arten sind bereits als Brutvögel verschwunden beziehungsweise werden nur noch in den Zugzeiten beobachtet.
Flurbereinigungen, Vergrößerungen der Acker- bzw. Feld-Schläge, Entwässerung von Nasswiesen, intensiverer Einsatz mineralischer Düngung, der Wegfall von Kleinstrukturen und der Wechsel von Heugewinnung zu Grünsilage und Maisanbau sind aktuell wie auch in den zurückliegenden Jahren auch nach Antonius Kunz die Hauptursachen für den Rückgang der Arten, und das nicht nur im Westerwald. Der Rückgang zahlreicher Feld- und Wiesenvögel wie Feldlerche und Braunkehlchen ist hierauf zurückzuführen. Auch der Kiebitz hat sein Vorkommen in der Verbandsgemeinde Wallmerod seit 28 Jahren aufgegeben. Weitere Wiesenvögel wie Bekassine, Wachtelkönig und Wiesenpieper sind sogar in großen Teilen des Westerwaldes und in vielen Naturschutzgebieten nur noch auf dem Durchzug im Frühjahr und Herbst zu beobachten.

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Vögel des Waldes wurden aber auch durch neu eingebrachte Wirtschaftsbaumarten wie Fichte, Lärche oder Pappeln begünstigt. Gerade Fichten werden aber aktuell außerordentlich stark von Borkenkäfern befallen, die mehrere Generationen im Jahr bilden und dann die Wirtschaftlichkeit unserer Wälder beeinträchtigen. Während die Einführung der Fichte zur Einwanderung von Tannen- und Haubenmeise, Tannenhäher, Kreuzschnabel und Goldhähnchen geführt hat, sind deren Bestände durch das flächenhafte Absterben der Fichten massiv betroffen. In den heute älteren Eichen-, Buchen- und Mischwäldern hat die Anzahl von Spechten und Eulen durch das Älterwerden der Waldbestände erkennbar zugenommen. In älteren Mischwäldern wie z. B. im Gemeindewald von Hundsangen, können heute alte Eichen bewundert werden, die mit einem Alter von 250 Jahren und einem Umfang bis 5 m ein wahrer Blickfang darstellen.
Durch Untersuchungen, Erfassung und Veröffentlichungen wird dazu beigetragen, dass Beobachtungen und Veränderungen in der Natur dokumentiert, publiziert und so einem größeren Teil der Bevölkerung oder der Verwaltung zugänglich gemacht werden. So konnten mit Hilfe von Förderprogrammen mit der Landwirtschaft im Grünland und im Wald wichtige Erfolge für den Vogelschutz in europäischen FFH-Gebieten erzielt werden. Mit diesem Wissen tragen auch Antonius Kunz sowie viele weitere ehrenamtlich arbeitende Naturbeobachter und Naturschutzverbände durch ihre Tätigkeit und Anregungen bzw. Hinweise zum Schutz der großen Artenvielfalt des Westerwaldes bei.
(Foto Marcel Weidenfeller und Text: NABU-Gruppe Hundsangen)