Gräfin Seraphine zu Leiningen-Westerburg

Neue „Schriften des Stadtarchivs Westerburg“ präsentiertWbg. Stadt Westerburger Hefte Graefin Seraphine 09 2022.01 v1

Gräfin Seraphine, die aus der Linie der Grafen zu Leiningen-Westerburg-Neuleiningen stammte, war eine der letzten Vertreterinnen, die den Bund zwischen den Partnerstädten Westerburg und Grünstadt in der Pfalz aufgrund ihrer Abstammung aus dem alten Adelsgeschlecht der Leininger sinnbildlich verkörpert hat. Der Stadtarchivar von Westerburg, Rüdiger Klees, hat sich gemeinsam mit dem Vorsitzenden des Altertumsvereins

Grünstadt, Joachim Specht, mit der Geschichte von Gräfin Seraphine beschäftigt. Aus einer Vielzahl an Dokumenten, Briefen und Bildern erarbeiteten die beiden das zweite Heft der „Schriften des Stadtarchivs Westerburg“, die an die Tradition der „Westerburger Hefte“ anknüpfen.

Im Rathaus der Stadt Westerburg fand dieser Tage die Präsentation dieser 35-seitigen Broschüre mit dem Titel „Gräfin Seraphine zu Leiningen-Westerburg - Katholische Standesherrin und Wohltäterin“, statt. Hierzu konnte Stadtbürgermeister Janick Pape neben Stadtarchivar Rüdiger Klees auch den Vorsitzenden des Vereins Westerburger Städtepartnerschaften, Wolfgang Thiebaut, begrüßen.

„Mit viel Freude seitens der Stadt können wir dieses Heft jetzt druckfrisch vorstellen“, hob Pape hervor und führte fort: „Die Gräfin hat sich sehr für ihre Mitmenschen eingesetzt und viel für ihre Heimatstadt Westerburg bewirkt. Das Heft gibt einen Einblick in ihr Leben und ihr karitatives Engagement“. Insbesondere der Wiederaufbau der Liebfrauenkirche in Westerburg, der nach ihrem Tod vollendet wurde, gehe maßgeblich auf ihr Wirken zurück. Der Inhalt des Heftes spiegle auch den gesellschaftlichen und kulturellen Wandel ab der Mitte des 19. Jahrhunderts wider. Der Stadtchef nutzte die Gelegenheit, Stadtarchivar Rüdiger Klees seinen besonderen Dank auszusprechen.

Wbg. Stadt Westerburger Hefte Graefin Seraphine 09 2022.01 v1

Stadtarchivar Rüdiger Klees (links) und Stadtbürgermeister Janick Pape freuen sich über die gelungene Veröffentlichung des Heftes über „Gräfin Seraphine zu Leiningen-Westerburg“.

Eingeladen war neben den Stadtbeigeordneten und den Fraktionsvorsitzenden auch Detlef Schmidt. Der Westerburger zählt zu den Personen, die den Stadtarchivar bei seiner Arbeit tatkräftig unterstützten. „Er ist ein sehr guter Familienforscher“, betonte Rüdiger Klees. Detlef Schmidt sei letztlich der Initiator, er wohne im Vasallenhaus und so somit in gewisser Weise ein „Nachbar“ von Gräfin Seraphine, die die Sommermonate im Westerburger Schloss verbrachte.
Die Landesherrin
„Wir möchten mit dieser Veröffentlichung an das Leben dieser außergewöhnlichen Frau und Wohltäterin erinnern“, hob Klees in seiner Ansprache hervor. Im Oktober 1810 in Klagenfurt geboren, gab man sie nach dem frühen Tod ihrer Eltern in ein von Nonnen geführtes Internat. Später kam sie zu ihren Großeltern nach Venedig. Mit 27 Jahren entschied sich die junge Frau zur Ehelosigkeit und trat im Jahre 1838 als Stiftsdame in das adlige Damenstift Innsbruck ein. Im Jahr 1860 siedelte sie als Standesherrin auf die Westerburg über. Trotzdem blieb ihr auch Innsbruck weiterhin Heimat. „Wir haben viele Bittbriefe gefunden, die deutlich machen, dass sie den Armen half. Auch den Bau der Liebfrauenkirche in Westerburg unterstützte sie finanziell. Anhand der vielfältigen Dokumente, wozu auch Haushaltsunterlagen gehören, kennen wir ihren Tagesablauf. So kam sie uns als Mensch näher“, erläuterte Klees. Anhand von Fotos gab er einen Einblick in seine Arbeit, die ihn auch nach Innsbruck und Grünstadt führte. Tatkräftige Unterstützung erhielt er von verschiedenen Gleichgesinnten, denen in der Veröffentlichung hierfür herzlich gedankt wird. „Das ist eine spannende Arbeit“, stellte Detlef Schmidt stellvertretend für alle Mitwirkenden fest.

Städtepartnerschaft
Darüber hinaus gibt das Heft Auskunft über den Ursprung der Partnerschaft zwischen Westerburg und Grünstadt und liefert gleichzeitig besondere Geschichten. Die Städte waren über 300 Jahre durch die Grafschaft Leiningen-Westerburg eng verbunden. Hieraus wurden zahlreiche weitere, auch familiäre, Verbindungen geknüpft. „Die Erinnerung an eine historische Persönlichkeit wie die Gräfin Seraphine hochzuhalten, ist Aufgabe der Städte, in denen sie gewirkt hat und mit denen sie verbunden ist. Gerade in einer Zeit, in der oft das Trennende betont wird, ist es von besonderer Wichtigkeit, das Verbindende zwischen den Menschen hervorzuheben. Dies ist auch Auftrag und Ansporn der Partnerschaft zwischen Westerburg und Grünstadt“, erläutern die beiden Stadtbürgermeister Janick Pape und Klaus Wagner in ihrem gemeinsamen Grußwort.

Die Nachkriegsjahre
Wie Rüdiger Klees abschließend informierte, gebe es auch schon konkrete Pläne für das dritte Heft der „Schriften des Stadtarchivs Westerburg“. So möchte er sich gemeinsam mit Burkhard Peschke, der ebenfalls der Geschichtswerkstatt des Westerwaldvereins Westerburg angehört, mit den Nachkriegsjahren (1945 bis 1949) beschäftigen und Wissenswertes über die Besatzungszeit und den Aufbau der zerstörten Stadt Westerburg dokumentieren.

In diesem Zusammenhang ruft Stadtbürgermeister Pape nochmals die Bevölkerung dazu auf, alte Unterlagen wie Dokumente, Briefe, Urkunden und Fotografien – sofern diese historischen Wert haben – für die Nachwelt zu erhalten und sie dem Stadtarchivar anzubieten. Der Kontakt ist auf der Homepage der Stadt Westerburg (www.stadt-westerburg.de) zu finden.
Das Heft 2 der „Schriften des Stadtarchivs Westerburg“ mit dem Titel „Gräfin Seraphine zu Leiningen-Westerburg - Katholische Standesherrin und Wohltäterin“, wurde in einer Auflage von 500 Stück gedruckt und kann zum Preis von 2 Euro (Schutzgebühr) im Rathaus der Stadt Westerburg, beim Stadtarchivar, bei den Westerburger Buchhandlungen und in der Tourist-Information am Wiesensee erworben werden. (Text und Foto: Ulrike Preis)