Mahnmal für die Freundschaft zwischen den Völkern

Neues Holzkreuz am Katzenstein in Westerburg eingeweihtWbg. Stadt Holzkreuz Katzenstein Einweihung 11 2022.02

Am 9. November 2022, einem geschichtsträchtigen Tag, wurde das neue Holzkreuz am Mahnmal der Heimatvertriebenen am Katzenstein in Westerburg aufgestellt und einweiht. Das historische Kreuz, das zuvor über mehrere Jahrzehnte dort seinen Ehrenplatz hatte, war im Mai diesen Jahres bei einem fahrlässig gelegten Feuer so beschädigt, dass es nicht mehr erhalten werden konnte.


„Ich darf Sie hier auf dem sagenumwobenen Katzenstein mit der herrlichen Aussicht auf unser schönes Westerburg recht herzlich begrüßen“, hieß Stadtbürgermeister Pape neben den Beigeordneten, den Mitgliedern des Stadtrats und dem Stadtarchivar auch den Vorsitzenden des Bundes der Vertriebenen Rheinland-Pfalz, Tobias Meyer, sowie dessen Stellvertreter Nikolaus Poppitz willkommen. Ein besonderer Gruß galt Petra Freifrau von Hövel, als Besitzerin des Waldstücks, auf dem sich das Mahnmal befindet, sowie Uwe Göbel und seinen Mitarbeitern von Holzbau Göbel aus Pottum, die das Holzkreuz im Auftrag der Stadt gefertigt und aufgestellt hatten.

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Dem historischen Vorgänger nachempfunden
Das neue Kreuz aus Eichenholz sei seinem historischen Vorgänger nachempfunden, hob Pape hervor. Es werde in den nächsten Jahren durch Wind und Wetter Patina anlegen, die es schütze und widerstandsfähig mache, führte der Stadtchef weiter aus. Der 9. November werde auch als der „Schicksalstag der Deutschen“ bezeichnet, wies der Stadtchef in seiner Ansprache hin. „Gerade in Westerburg mit seiner ehemals großen jüdischen Gemeinde, steht dieses Datum im Gedenken an die Gräuel und das Leid des Jahres 1938, als überall im deutschen Reich während der von den Nationalsozialisten organisierten und gelenkten Novemberpogrome Synagogen brannten und Menschen verfolgt, misshandelt, deportiert und ermordet wurden“, so Pape.

Der 9. November sei aber auch der Tag, an dem im Jahr 1918 in Berlin vom Reichstagsgebäude die Republik ausgerufen worden sei. Der vorangegangene erste Weltkrieg habe in den Schützengräben ein nie gekanntes Grauen entfesselt. Das „Nie wieder Krieg“ des Jahres 1918 habe nur etwas mehr als zwanzig Jahre andauern sollen. „1939 begann mit dem Überfall auf Polen ein von deutschem Boden begonnener, verbrecherischer Angriffs- und Vernichtungskrieg, der spätestens ab 1945 mit Wucht auf die Deutschen zurückschlug. Der Krieg entwurzelte Millionen von Menschen in den Völkern Europas.“ so Pape.

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Denkmal für die Menschlichkeit
Er erinnerte auch an die rund 15 Millionen deutschen Vertriebenen, die in einem kriegszerstörten Land untergebracht wurden, in Notunterkünften und Lagern, fern der eigenen Heimat und vielerorts nicht freudig, sondern mit Argwohn von den Einheimischen betrachtet. Auch wenn jetzt mehr als fünfundsiebzig Jahre seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges vergangen seien, so sei es richtig und wichtig, die Erinnerung aufrecht zu erhalten, betonte Pape. „Keineswegs in einem revanchistischen Sinne, jegliche Gedanken der Rache und Vergeltung sind absurd. Sondern in einem humanistischen, in einer christlichen und europäischen Bedeutung“, so Stadtchef. Leider sei die Mahnung an das Schicksal der Vertriebenen seit einigen Monaten mit dem Krieg und den Flüchtlingen aus der Ukraine bedrückend aktuell. Mut und Willen nach Freiheit und Selbstbestimmung, hätten die östlichen Nachbarstaaten vor rund drei Jahrzehnten aufgebracht, was schließlich die Voraussetzungen zum Mauerfalls am 9. November 1989 geschaffen hätte. „Die Deutsche Einheit und die europäische Gemeinschaft wären nicht erreicht worden und deshalb müssen wir unsere gemeinsamen Werte zusammen in Freundschaft bewahren. In diesem Sinne stellt unser Kreuz auf dem Katzenstein auch ein Denkmal für die Menschlichkeit, für die Aussöhnung und die Humanität dar und es ist geradezu ein Mahnmal für die Freundschaft zwischen den Völkern. Daher freue ich mich heute dieses Kreuz einweihen zu dürfen. Möge es für viele Jahrzehnte unsere Stadt überblicken“, schloss Pape seine Rede.

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Bund der Vertriebenen
Als einen schönen Lichtblick und einen schönen Anlass sah Tobias Meyer die Einweihungsfeier am Katzenstein. Er bedankte sich für die Einladung, war er doch eigens aus Haßloch in der Pfalz angereist. Der Kreis der Heimatvertriebenen sei deutlich größer, als man meine, erläuterte den Anwesenden. Ungefähr eine halbe Million Menschen in Rheinland-Pfalz zählen dazu, was rund 10 Prozent der Bevölkerung ausmache. Neben den Vertriebenen und Geflüchteten im Zweiten Weltkrieg handele es sich auch um die Spätaussiedler aus Russland und die Menschen, die aus Siebenbürgern nach Deutschland kamen. Neben dem Gedenken an das was war, sei der Blick in die Zukunft wichtig verwies er auf den Europäischen Gedanken, der verpflichte.

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Ein Hoffnungszeichen für die Menschen
Bevor Pastoralreferentin Dorothee Bausch die Einsegnung vornahm, erzählte sie kurz von ihrer Kindheit. Auch ihre Mutter sei aus Ostpreußen geflohen, der Vater wurde nach dem Krieg nach Deutschland vertrieben. „Sie kannten nicht die Gepflogenheiten und konnten nicht die Sprache“, so Bausch. Sie freue sich, dass an dieser Stelle ein Kreuz und kein Gedenkstein stehe. Das Kreuz sei ein Hoffnungszeichen für die Menschen und das über Generationen, Hautfarbe und Religionen hinweg.

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Nachdem Pfarrer Maic Zimmermann die Fürbitten vorgetragen hatte, sprach er auch den Segen für alle Anwesenden aus.

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Für den musikalischen Rahmen sorgten die Turmbläser der Stadtkapelle Westerburg mit der Friedenshymn von Jacob de Haan und der Hymne von Thomas Riegler. Stadtbürgermeister Pape dankte allen Gästen und Mitwirkenden, die für eine sehr eindrucksvolle Einweihung gesorgt hätten. (Text und Fotos: Ulrike Preis)